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Krim-Krise : Das Who’s Who der deutschen Russland-Investoren

  • -Aktualisiert am

Mitarbeiter im Volkswagen-Wert im russischen Kaluga. Bild: AFP

Deutsche Unternehmen haben viel Geld in Russland gesteckt. Sie bauen dort Autos, stellen Zement her oder verkaufen Turnschuhe und Elektrogeräte. Kein Wunder, dass sie sich Sorgen machen.

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          Warum sich gerade die Bundesrepublik Sanktionen gegen Russland zweimal überlegt und nicht leichtfertig beschließt, wird schnell klar angesichts der vielen Investitionen hiesiger Unternehmen in dem Riesenland. Der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft hat angesichts der Krise die wichtigsten Großprojekte zusammengetragen.

          Auf der stattlichen Liste taucht unter anderem der Handelskonzern Metro auf, der dort mit 70 Cash&Carry-Märkten und 50 Media-Markt-Standorten jedes Jahr 5,3 Milliarden Euro umsetzt – 9 Prozent des Gesamtumsatzes. Oder der Flughafenbetreiber Fraport, der mit 35,5 Prozent am Pulkovo-Flughafen in Sankt Petersburg beteiligt ist und ein neues Passagierterminal bauen will.

          Der Technikkonzern Siemens wiederum ist eng mit der russischen Sinara Group verbunden und will mit Partnern 1 Milliarde Euro investierten. Volkswagen hat in sein Werk in Kaluga schon 1,3 Milliarden Euro investiert, 1,2 Milliarden sollen folgen. Der Reifenhersteller Continental hat 240 Millionen Euro in ein neues Werk gesteckt, das vier Millionen Reifen im Jahr produzieren soll. Adidas hat rund tausend Läden in Russland und setzt 1 Milliarden Euro im Jahr um, der Baustoffkonzern Knauf hat 6000 Mitarbeiter vor Ort und macht in Russland rund 20 Prozent des Konzernumsatzes. 1 Milliarde hat die Gruppe schon investiert, weitere 50 Millionen sind geplant.

          Der Landmaschinenbauer Claas schließlich baut im russischen Krasnodar 1000 Mähdrescher und Traktoren im Jahr, bis 2015 sollen es doppelt so viel sein – 100 Millionen Euro will das Unternehmen dafür investieren. Ebenfalls auf der Ostausschuss-Liste: die Deutsche Post, KWS Saat, Wintershall, Eon, die Linde AG und der Stahlwerksbauer SMS Siemag.

          Insgesamt sind in Russland etwa 6000 deutsche Unternehmen vertreten, sie haben rund 20 Milliarden Euro investiert. Einen Handelskrieg kann man die bisher verhängten Sanktionen des Westens gegen Russland zwar nicht nennen, deutsche Unternehmen in Russland spüren aber schon jetzt eine Verschärfung der Lage – und reagieren. „Wir hören von deutschen Unternehmen, dass sie Geschäfte und Termine verschieben“, sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Geplante Investitionen werden erst einmal auf Eis gelegt, denn womöglich kann man am Ende die neue Produktionsanlage gar nicht nutzen.“

          Die Auslandshandelskammer in Moskau melde, dass die Unternehmen „hochgradig verunsichert“ seien. Sie stellten sich die Frage, welche Schritte die EU als nächstes gehen werde – und was Russland zu tun gedenke.

          Die EU hat bislang Einreiseverbote und Kontosperren verhängt. Deutsche Unternehmen fürchteten nun, im Gegenzug auf russischen Listen zu landen. „Sie machen sich Sorgen, dass Mitarbeiter aus Deutschland nicht mehr einreisen könnten oder Manager ausgewiesen werden“, sagte Treier vom DIHK. Zudem hätten Banken ihr Rating für Russland gesenkt. „Manche Finanzierung steht damit nicht mehr oder wird teurer.“ Auch die Sorge um Enteignungen ist nicht vom Tisch.

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