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Kreditkrise : Amerika und die EU sorgen sich um die Konjunktur

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Will die Wirtschaft ankurbeln: Präsident George W. Bush Bild: AP

Die Kredit- und Bankenkrise dürfte das Wirtschaftswachstum empfindlich dämpfen. Diese Ansicht setzt sich dies- und jenseits des Atlantiks immer mehr durch. Ein Konjunkturprogramm und niedrigere Zinsen sollen das Schlimmste verhindern.

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          Dies- und jenseits des Atlantiks nimmt die Besorgnis zu, dass die Kredit- und Bankenkrise das Wirtschaftswachstum empfindlich dämpfen wird. Vor diesem Hintergrund hat der Gouverneur der amerikanischen Notenbank Fed, Bernanke, am Donnerstag befürwortet, dass Washington rasch ein Programm zur Stützung der Konjunktur auflegen solle. In einer Rede vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses bekräftigte Bernanke zudem sein Versprechen „substantieller“ Zinssenkungen, falls das Wirtschaftswachstum angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten sowie der nachlassenden Beschäftigung in Gefahr gerate.

          Gleichzeitig hat sich auch Präsident Bush erstmals für ein Konjunkturpaket ausgesprochen. „Der Präsident glaubt, dass eine kurzfristige Ankurbelung nötig ist, um mit der Abschwächung der Konjunktur umzugehen“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Fratto. Ebenfalls am Donnerstag berieten die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens auf einem kurzfristig anberaumten Treffen in Paris über Maßnahmen, um die Folgen der Kreditkrise einzudämmen.

          Die Risiken so schnell wie möglich offen legen

          Finanzminister Steinbrück sagte nach dem Treffen, er erwarte, dass die Verwerfungen an den Finanzmärkten in den nächsten Monaten anhalten werden. Er forderte zusammen mit den anderen Finanzministern eine stärkere Kooperation zwischen den europäischen Finanzaufsichtsbehörden und eine stärkere Überwachungsfunktion des internationalen Währungsfonds. Die Kreditinstitute sollen so schnell wie möglich offen legen, welche Risiken sie noch in den Büchern haben.

          Schürt Hoffnungen auf sinkende Zinsen: Notenbank-Chef Ben Bernanke

          An der Wall Street wird nach den Äußerungen von Bernanke nun eine Leitzinssenkung von 0,5 Prozentpunkten Ende Januar erwartet. Derzeit liegt der Leitzins bei 4,25 Prozent. Verschiedentlich wird sogar spekuliert, dass die Fed ihren Leitzins bis Ende Januar sogar auf 3,5 Prozent senken könnte. Mit Erschrecken wurde aufgenommen, dass nach der Großbank Citigroup nun auch das Finanzhaus Merrill Lynch aufgrund von Fehlspekulationen einen zweistelligen Milliardenbetrag abschreiben musste. Daran machen sich Befürchtungen fest, dass die Banken demnächst Kredite nur zögerlich vergeben werden - was die Konjunktur belasten würde.

          Greift die Finanzkrise auf die reale Wirtschaft über?

          In Europa und Amerika gaben die Aktienkurse daraufhin am Donnerstag nach. Auch in der Europäischen Union nimmt die Besorgnis zu, dass die Finanzkrise auf die reale Wirtschaft übergreift. Diese Befürchtung hatte Anfang der Woche der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Ackermann, geäußert. Vor diesem Hintergrund fand ein Interview des luxemburgischen Notenbankpräsidenten Yves Mersch große Beachtung, in dem er andeutete, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Wachstumsprognose möglicherweise nach unten revidieren müsse. Merschs Äußerungen seien als ein Hinweis gewertet worden, dass der EZB-Rat den Euro-Leitzins demnächst senken könnte, erläuterten Bankanalysten.

          Die Devisenmärkte reagierten auf diese vagen Aussichten auf eine Leitzinssenkung drastisch: Zur Wochenmitte sackte der Euro zeitweise um mehr als zwei Cent auf Kurse unter 1,46 Dollar ab. Auch zu Währungen wie Yen, Pfund und Franken verlor der Euro deutlich an Wert. Am Donnerstag wurde die Gemeinschaftswährung am späten Nachmittag aber wieder etwas höher mit knapp 1,47 Dollar gehandelt. Die Aussicht auf schwächeres Wirtschaftswachstum im Euro-Raum und niedrigere Leitzinsen lasse den Euro für ausländische Anleger weniger attraktiv erscheinen. Das habe den Kursrutsch ausgelöst, erläuterten Devisenhändler. Erst in der vergangenen Woche hatte EZB-Präsident Trichet gesagt, dass der EZB-Rat wegen der Risiken für die Preisstabilität über eine Anhebung des Leitzinses von derzeit vier Prozent gesprochen habe, nicht aber über dessen Senkung.

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