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Krankenversicherungen : Der private Ausweg ist steinig

Bild: F.A.Z.

Auch die privaten Krankenversicherer leiden unter den steigenden Gesundheitskosten. Die Flucht aus der gesetzlichen Kasse muss deshalb auch nach der Gesundheitsreform genau überlegt werden.

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          Die Bundesregierung hat die Weichen für die Gesundheitsreform gestellt. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) soll der Arbeitgeberbeitrag nach dem Willen des Kabinetts eingefroren werden. Wenn künftig die Kostensteigerungen im Gesundheitssektor weitere Anpassungen nötig machen, wird das über Zusatzbeiträge also ausschließlich die Versicherten treffen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Gleichzeitig soll es GKV-Mitgliedern erleichtert werden, in die private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Sie müssen nicht mehr drei Jahre lang über der Jahresverdienstgrenze liegen, sondern nur noch ein Jahr. Zwar muss der Kabinettsbeschluss noch die parlamentarischen Hürden nehmen, viele Versicherte denken aber schon jetzt über eine Alternative nach. Aber treffen die Finanzierungsprobleme des Gesundheitswesens und die Folgen des demographischen Wandels die PKV wirklich weniger stark?

          Was kann die PKV mehr als die Gesetzliche?

          Grundsätzlich geben die privaten Anbieter wie Debeka, DKV, Allianz oder Signal ein Leistungsversprechen ab, das sie nicht mehr zurücknehmen können. Der Umfang hängt vom Tarif ab. Die freie Wahl des Arztes und die Garantie, die neuesten Medikamente zu erhalten (etwa in der Krebstherapie), sind für viele Versicherte entscheidende Kriterien für einen Wechsel.

          Mit den Alterungsrückstellungen, die am Kapitalmarkt angelegt werden, sichern sie ab, dass die im Alter steigenden Gesundheitskosten ihrer Kunden auch wirklich gedeckt werden können. Damit haben sie aber noch nicht die steigende Lebenserwartung und die wachsenden Ausgaben durch den medizinischen Fortschritt finanziert. Insofern stehen die PKV-Unternehmen vor demselben Kostenproblem wie die GKV – das für sie möglicherweise sogar noch etwas schärfer ausfällt.

          Wer darf in die PKV wechseln?

          Wer drei Jahre lang mehr als 49.500 Euro verdient hat, hat ein Wahlrecht. Die Regierung will diese Wartezeit verkürzen. Selbständige und Beamte sind nicht versicherungspflichtig und können deshalb unabhängig von ihrem Einkommen in die PKV aufgenommen werden, sofern die Gesundheitsprüfung es zulässt. Kinder von privat Versicherten können allerdings nicht kostenfrei in der GKV versichert werden.

          Kommt man wieder zurück?

          Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung kommt der für eine lebenslange Liaison gleich. Denn ein Wechsel zurück in die GKV ist nur sehr eingeschränkt möglich: zum Beispiel, wenn man seine Arbeit aufgibt und über seinen Ehepartner einen Anspruch auf Familienversicherung hat. Auch wer vom Selbständigen zum Arbeitnehmer wird, Elterngeld empfängt oder Student ist, kann auf Antrag in die GKV wieder aufgenommen werden – allerdings nicht mehr nach dem 55. Lebensjahr.

          Wer mit seinem Anbieter unzufrieden ist, kann dagegen nur innerhalb des PKV-Lagers wechseln. Kunden, die nach dem 1.1.2009 einen Vertrag abgeschlossen haben, können bei einem Wechsel der Gesellschaft sogar den Teil der Alterungsrückstellungen mitnehmen, den sie im Basistarif angesammelt hätten.

          Versicherte mit älteren Verträgen hatten zwischen dem 1.1. und 30.6. vergangenen Jahres ein Wechselfenster. Haben sie es verpasst, können sie innerhalb der Gesellschaft ohne neue Gesundheitsprüfung in einen günstigeren Tarif wechseln und behalten die kompletten Alterungsrückstellungen. Auch durch höhere Selbstbehalte lassen sich Prämien verringern.

          Wie haben die Versicherer die Kosten im Griff?

          Gerade weil die PKV viele Leistungen anbietet, die die Gesetzliche nicht mehr gewährt, ist sie von Kostensteigerungen besonders getroffen. Im Jahr 2008 gaben die Unternehmen für Arztbehandlungen 7,7 Prozent und für Arzneimittel 8,8 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Das nahmen sie zum Anlass, zum 1.1. dieses Jahres ihre Prämien durchschnittlich um 7,5 Prozent zu erhöhen, wie der Branchendienst Map-Report ausgerechnet hat. Im Jahr 2009 fielen die Leistungssteigerungen mit 1,8 und 3,3 Prozent geringer aus.

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