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Krankenkassen : Privatversicherung fordert Steuergeld für Kinder

Bild: F.A.Z.

Die private Krankenversicherung verlangt Steuerzuschüsse für die Kinderversicherung und damit eine Gleichstellung mit der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Gesundheitsfonds erhält im kommenden Jahr mehr als 14 Milliarden Euro für gesetzlich versicherte Kinder.

          2 Min.

          Die private Krankenversicherung verlangt Steuerzuschüsse für die Kinderversicherung und damit eine Gleichstellung mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Gemessen an den mehr als 14 Milliarden Euro Steuergeld, das der Gesundheitsfonds im neuen Jahr für gesetzlich versicherte Kinder erhalte, müsse es auch für die privat versicherten Kinder Steuergeld geben, sagte der Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV), Volker Leienbach, dieser Zeitung.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Er regte an, diese Zuschüsse allen Eltern künftig mit dem Kindergeld auszuzahlen. Gemessen an den GKV-Kinderausgaben wären das rechnerisch mehr als 87 Euro im Monat. Bezogen auf die 1,8 Millionen privat versicherten Kinder beliefen sich die Zusatzkosten auf knapp 1,9 Milliarden Euro im Jahr. Die monatliche Prämie für die private Krankenversicherung eines Kindes liegt zwischen 120 und 160 Euro.

          Private Krankenversicherung sieht sich im Nachteil

          Hintergrund für den Wunsch der PKV sind die stark steigenden Steuerzuschüsse an den Gesundheitsfonds, die im nächsten Jahr 15,7 Milliarden Euro erreichen sollen. „Wenn die Kinder in der GKV im Jahr 14 Milliarden Euro kosten, die Kassen aber 15,7 Milliarden Euro aus Steuermitteln bekommen, dann muss es auch für die privat versicherten Kinder Geld geben“, sagte Leienbach. „Vor dem Gesetz sind alle Kinder gleich.“

          Der PKV-Direktor stützt sich bei seiner Forderung auch auf Äußerungen der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Diese hatte 2006 gesagt, zunächst sollten die gesetzlich versicherten Kinder aus Steuergeldern finanziert werden, danach die privat versicherten. Sie hatte hinzugefügt: „Verfassungsrechtlich ist eine unterschiedliche Behandlung der Kinder gar nicht möglich.“

          Andernfalls würden die Privatversicherten, die über ihre Steuerzahlungen die GKV mit subventionierten, benachteiligt, sagte Leienbach. Viele privat Versicherte beschwerten sich darüber bereits. „Ich weiß auch von Überlegungen, das gerichtlich überprüfen zu lassen, bis hin zum Bundesverfassungsgericht.“ Doch sei das keine Angelegenheit der Unternehmen. Das Verfassungsgericht hatte eine entsprechende Beschwerde in diesem Jahr nicht zugelassen, weil nicht die Unternehmen, sondern die Versicherten selbst betroffen seien. Laut Gesetz sind die Steuerzuschüsse an den Fonds für „versicherungsfremde Leistungen“ gedacht. Politiker hatten sie aber immer wieder damit gerechtfertigt, dass die Kinderversicherung nicht aus Beiträgen bezahlt werden solle. Dass das für Mitte des nächsten Jahrzehnts angepeilte Finanzierungsziel von 14 Milliarden Euro 2010 überschritten wird, hängt aber auch mit Sonderzuschüssen an den Gesundheitsfonds zusammen. So wurde zur Jahresmitte 2009 der Beitragssatz auf 14,9 Prozent heruntersubventioniert; im kommenden Jahr werden krisenbedingte Beitragsausfälle von 3,9 Milliarden Euro durch Steuergelder ausgeglichen.

          Änderungen bei Wartefrist

          Im neuen Jahr erwarte die PKV zunächst die Streichung der unlängst eingeführten Wartefrist von drei Jahren vor einem Wechsel von der gesetzlichen in die private Versicherung, sagte der PKV-Direktor. CDU/CSU und FDP hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, wieder die alte Frist einzuführen, wonach ein Versicherter vor einem Wechsel ein Jahr lang ein Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von monatlich 4050 Euro bezogen haben muss. Jetzt müsse man das auch zügig umsetzen, verlangte Leienbach. „Es spricht nichts dagegen, das zum 1. Januar wirksam werden zu lassen. Das kann man auch rückwirkend machen.“

          Änderungswünsche hat die Branche auch für das Wettbewerbsrecht. Bisher ist es der PKV nämlich verboten, sich zusammenzuschließen und gemeinsam Verträge mit Ärzten und Arzneimittelherstellern auszuhandeln. Die GKV wurde dazu vom Gesetzgeber ausdrücklich aufgefordert. „Als Branche wollen wir von der Bundesregierung eine allgemeine Vertragskompetenz zugewiesen bekommen, wir erwarten insoweit eine Freistellung vom Kartellrecht“, sagte Leienbach.

          Auf der Wunschliste der PKV steht zudem eine zügige Überarbeitung der ärztlichen und zahnärztlichen Gebührenordnung. Diese reiche bis in die achtziger Jahre zurück, sie sei veraltet und spiegle das ärztliche Leistungsspektrum nicht mehr richtig wider.

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