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F.A.Z. exklusiv : Jetzt schaffen sogar die Krankenkassen ein Plus

  • -Aktualisiert am

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) haben 125 Millionen Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Bild: dpa

Die gesetzlichen Krankenkassen haben nach Informationen der F.A.Z. im ersten Halbjahr ein Plus von 600 Millionen Euro erzielt. Was bedeutet das für die Zusatzbeiträge?

          2 Min.

          Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten bis Ende Juni einen Überschuss von 600 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr vorigen Jahres hatten die Kassen noch ein Minus von 491 Millionen Euro verzeichnet. Grund für die Besserung sind auch die zu Jahresbeginn erhöhten Zusatzbeiträge. Allerdings muss der Überschuss gemessen werden an Ausgaben von rund 110 Milliarden Euro im Halbjahr.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Die Überschüsse stehen im Kontrast zu der Schärfe, mit der zuletzt über die Notwendigkeit steigender Zusatzbeiträge debattiert wurde. Kassenvertreter warnten allerdings davor, die Finanzlage auf Basis der Halbjahreszahlen zu überschätzen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen rechnet für das Wahljahr 2017 mit einem Anstieg der Zusatzbeiträge um bis zu 0,3 Punkte auf 1,4 Prozent. Damit könnte die durchschnittliche Belastung des Einkommens auf 16 Prozent steigen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hält das für übertrieben.

          In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben die Ersatzkassen nach Informationen dieser Zeitung mit 316 Millionen Euro den größten Überschuss im Kassenlager erzielt. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), nach der Zahl der Mitglieder und Versicherten die Nummer zwei der gesetzlichen Krankenkassen, haben 125 Millionen Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Die Betriebskrankenkassen nennen ein Plus von 40 Millionen, die Innungskassen von 21 Millionen, die Knappschaft von 84 Millionen und die Landwirtschaftliche Krankenkasse von 12 Millionen Euro. Die Rücklagen der Kassen dürften damit die Marke von 15 Milliarden Euro wieder überschritten haben. Zudem verfügte der Gesundheitsfonds, der die Beitragsgelder einsammelt und an die Kassen verteilt, zuletzt über eine Liquiditätsrücklage von rund 10 Milliarden Euro.

          Die kleineren Kassenarten verloren allesamt Versicherte

          Der Verband der Ersatzkassen erklärte, das positive Ergebnis sei nicht zuletzt auch auf die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit der wachsenden Zahl der Beschäftigten und damit auch höherer Zusatzbeiträge zurückzuführen. Die Einnahmen seien im Jahresvergleich um 4,7 Prozent je Versicherten gestiegen. Die Kosten hätten um 3,4 Prozent zugenommen – ein Viertel weniger, als im Vorjahr von den Experten des Schätzerkreises erwartet worden war. Der Ersatzkassenverband warnt jedoch, das Ergebnis des ersten Halbjahrs sei „nicht aussagekräftig für die Ganzjahresentwicklung“.

          Auch der AOK-Bundesverband mahnt zur Vorsicht. Dennoch erwartet er „für den weiteren Jahresverlauf eine Verstetigung dieser Entwicklung und geht von einem insgesamt positiven Ergebnis für das Jahr 2016 aus“. Bei den AOK sind die Ausgaben je Versicherten im ersten Halbjahr um 2,2 Prozent gestiegen. Der Zuwachs von fast 600.000 Versicherten seit Jahresanfang auf 25,3 Millionen dürfte dazu beigetragen haben, den Anstieg der Kosten pro Kopf im Zaum zu halten. Die Ersatzkassen haben ihren Bestand an Versicherten unter dem Strich mit 26,7 Millionen lediglich konstant gehalten. Spürbare Abgänge bei DAK, Barmer-GEK und KKH wurden durch Zugänge bei der Techniker-Krankenkasse und den kleineren Kassen HEK und hkk leicht überkompensiert.

          Laut Regierungsstatistik hatten die Kassen im Juli 71,5 Millionen Versicherte, also zahlende Mitglieder samt kostenfrei mitversicherter Kinder und Ehepartner. Gegenüber Januar ist das ein Zuwachs um eine halbe Million Versicherte. Rechnerisch wurde der komplett von den AOK vereinnahmt. Die BKK warben 70.000 neue Kunden und versichern nun 11,8 Millionen Menschen. Die kleineren Kassenarten verloren allesamt Versicherte: Die Innungskassen 92.000 auf 5,3 Millionen, die Knappschaft 26.000 auf 1,7 Millionen, die Landwirtschaftliche Krankenkasse zählt nach dem Abgang von 10.000 Versicherten noch 675.000.

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