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Krankenhausleistungen : Gesundheitssystem droht 2014 neuer Kostenschub

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Gesundheit wird teurer: Nach der Bundestagswahl kommt es zu neuen Honorargesprächen der Kassenärzte. Dann wird sich zeigen, wie stark die künftige Vergütung von Ärzten und Psychotherapeuten steigt Bild: dpa

Die Preise für Krankenhausleistungen ziehen stark an. Die Bemessungsgrenzen zur Sozialversicherung werden in der kommenden Zeit steigen.

          Die Gesundheitsausgaben werden im nächsten Jahr deutlich steigen. Allein die Krankenhausbehandlung dürfte 2,3 Milliarden mehr kosten. Bei den Honorargesprächen der Kassenärzte, die drei Tage nach der Bundestagswahl abgeschlossen werden sollen, steht ein Milliardenbetrag in Rede. Mehrausgaben drohen beim drittgrößten Kostenblock, den Arzneimitteln. Hier läuft im Dezember der von Schwarz-Gelb von 10 auf 16 Prozent erhöhte Zwangsrabatt aus, der 2012 den Kostenanstieg um eine Milliarde Euro bremste.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Krankenhäuser können ihre Behandlungspreise im nächsten Jahr um 2,8 Prozent erhöhen, wie das Gesundheitsministerium im Bundesanzeiger bekanntgab. Zuletzt waren es nur 2 Prozent. Grund sind die um 2,8 Prozent gestiegenen Versichertengehälter. Diese Grundlohnrate gibt an, wie stark die Behandlungspreise anziehen dürfen. Nach erwarteten Ausgaben für die Behandlung von Kassenpatienten von 65 Milliarden Euro in diesem Jahr wüchsen die Kosten 2014 um 1,8 Milliarden Euro. Hinzu kommt die zweite Tranche des im Sommer verabschiedeten Hilfspaketes von je 550 Millionen Euro für dieses und nächstes Jahr.

          Ärzte und Kassen klären im Schiedsverfahren Honoraranstieg

          Möglicherweise ziehen die Preise noch stärker an. Denn neben der Grundlohnrate misst eine weitere Komponente die Entwicklung der Kosten etwa für Personal-, Sachausgaben und Energie. Diesen Kostenorientierungswert legt das Statistische Bundesamt Ende September vor. Fällt er höher aus als der Zuwachs der Grundlohnrate, wird über dessen Verteilung verhandelt. Die Grundlohnrate ist der untere, der Orientierungswert der obere Rand des Korridors für Preisanpassungen.

          Am 25. September wollen auch Ärzte und Kassen im Schiedsverfahren des Erweiterten Bewertungsausschusses klären, wie stark die Honorare der 150000 Haus- sowie Fachärzte und Psychotherapeuten steigen. Hier werden drei Komponenten verhandelt. Doch schon bei der ersten, dem Inflationsausgleich, liegt man weit auseinander, wie der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, dem „Deutschen Ärzteblatt“ sagte: „Wir fordern eine Erhöhung um 2,6 Prozent, der GKV-Spitzenverband bietet nur 0,5 Prozent.“ Bei 36 Milliarden Euro Ärztehonorar machte allein der Inflationsausgleich fast eine Milliarde Euro aus.

          2012 hatten die Kassen 184,5 Milliarden Euro ausgegeben, 5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Vom Zuwachs waren knapp 3 Milliarden Euro auf Mehrausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel entfallen. Deren Anmeldungen für 2014 fallen nun erheblich höher aus.

          Zur Gegenfinanzierung steigender Ausgaben können Kassen und Gesundheitsfonds hohe Rücklagen nutzen. Doch auch die Beitragszahler werden herangezogen. Die Bemessungsgrenzen zur Sozialversicherung werden wohl um bis zu 2,6 Prozent steigen. Versicherungsträger rechnen mit einer Anhebung der Einkommensgrenze, bis zu welcher der Beitrag zur Renten- und Arbeitslosenversicherung abgerechnet wird, um 150 Euro auf 5950 Euro (West) und um 100 auf 5000 Euro im Osten. In der Kranken- und Pflegeversicherung könnte sie 4050 Euro statt heute 3937,50 Euro im Monat erreichen. Versicherte mit Einkommen an den Bemessungsgrenzen würde das mehr als 25 Euro im Monat zusätzlich kosten.

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