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Konzerne : Ab in die Steueroase

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Was sagen die Regierungen zu den Tricksern?

Die Vereinigten Staaten, selbst ein Hochsteuerland, dulden die Methoden nicht nur, sie fördern sie. „Amerika ist das Hauptproblem“, sagt Professorin Hey. Solange der in Amerika eingefahrene Gewinn dort ordentlich versteuert wird, ist für die Politik in Washington alles prima: Warum amerikanische Konzerne dadurch schwächen, dass sie an andere Staaten Steuern zahlen? Auf die im Ausland erzielten Gewinne werden erst dann 35 Prozent Steuern fällig, wenn die Konzerne das Geld nach Hause überweisen. Das sparen sie sich lieber. Vorher nehmen Apple und Konsorten sogar Kredite auf, um eine Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Gleichzeitig türmen sie in Steueroasen Cash-Berge auf. „Da liegen angeblich 1,8 Billionen Dollar, die nicht nach Amerika transferiert werden“, sagt Wirtschaftsprüfer Wilhelm Haarmann, Partner der Anwaltsfirma Linklaters (und nebenbei SAP-Aufsichtsrat). „Die Amerikaner machen keine Anstalten, diesen Systemfehler zu beheben.“

Wo versteuern die deutschen Konzerne ihre Gewinne?

Die Antwort ist nur in der Theorie simpel: Dort, wo er anfällt. „Hat ein deutscher Konzern selbständige Tochtergesellschaften im Ausland, versteuern die den dort erwirtschafteten Gewinn vor Ort“, erläutert Wissenschaftlerin Johanna Hey. Das Geld darf in der Heimat dann grundsätzlich nicht ein zweites Mal besteuert werden. Der Haken an der Sache: Wie grenzt man ab, was die Muttergesellschaft zum Erfolg beiträgt und was die Tochterfirma im Ausland? Wo sich Spielräume auftun, werden die auch genutzt. Steuern sind Kosten. Um die zu senken, hat jede Firma ihre Experten - auch in der Steuerabteilung. Außerdem rücken hochbezahlte Berater für die „steuerliche Optimierung der Wertschöpfungsketten“ an, wie eine dieser Firmen wirbt. Ihr Honorar lohnt sich, wenn sie den Steueraufwand drücken. „Aktionäre und Mitarbeiter erwarten das zu Recht“, sagt Norbert Winkeljohann, Deutschland-Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. Die deutschen Steuerfahnder hätten freilich aufgerüstet, berichten Praktiker. Das „teilweise sehr scharfe“ Vorgehen könne sich allmählich zum Standortnachteil auswachsen, warnt bereits Wirtschaftsprüfer Haarmann. Übrigens: Der größte Steuerzahler im Land heißt VW. Fünf Milliarden Euro an Ertragsteuern hat der Konzern zuletzt berappt, drei Milliarden davon in Deutschland (obwohl hier nur gut zehn Prozent der Autos verkauft werden).

Und wie steht’s um die Moral?

„Steuervermeidung ist nichts Böses“, urteilt der Tübinger Wirtschaftsprofessor Franz W. Wagner. „Es ist die gesetzliche Pflicht eines jeden Managers, kein Aktionärsvermögen zu vergeuden.“ Verzichtet er auf die Möglichkeiten legaler Steuergestaltung, verliert seine Firma Millionen und er am Ende womöglich seinen Posten. Dem Staat unterstellt Wagner im Gegenzug „Schizophrenie“: „Jedes Steuerrecht setze Anreize, die neuen Länder waren auch eine riesige Steueroase, nur war die politisch gewollt. Wenn dagegen der Bürger auf eigene Faust Wege entdeckt, Steuern zu sparen, soll das nicht legitim sein?“

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