https://www.faz.net/-gqe-12vww

Konjunktur : Tag der schlechten Prognosen

  • Aktualisiert am

Sorgenvolle Blicke in die Zukunft: BDI-Chef Keitel und Kanzlerin Merkel Bild: ddp

Der „Tag der Wirtschaft“ des BDI hätte diesmal auch in „Tag der schlechten Prognosen“ umbenannt werden können: Kanzlerin Merkel sorgt sich um die Staatsverschuldung, Vizekanzler Steinmeier um die „klassische Industrie“ und BDI-Chef Keitel darum, dass auch 2010 der Aufschwung ausbleiben könnte.

          3 Min.

          Der „Tag der Wirtschaft“ des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin hätte in diesem Jahr auch in „Tag der schlechten Prognosen“ umbenannt werden können: Denn die Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung nach der Krise wurde dort stark gedämpft. Kanzlerin Merkel sprach davon, mit Staatsgeld künftig zurückhaltend umzugehen und eine „Exitstrategie“ heraus aus der wachsenden Staatsverschuldung zu suchen. Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte EU-Kommissar Verheugen gewarnt, er sehe kein Ende der Rezession. Auch die Deutsche Bank hatte vorhergesagt: Am Arbeitsmarkt steht den Deutschen das dicke Ende noch bevor.

          Der BDI erklärte anlässlich der Veranstaltung in Berlin, statistisch seien zwar im vierten Quartal bessere Konjunktur-Zahlen zu erwarten, dies dürfe aber nicht zu falschen Prognosen verleiten. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel sagte, es sei derzeit nach wie vor noch nicht zu sagen, „wie lange diese Krise dauern wird.“ Auch eine genaue Prognose der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr sei nach wie vor schwierig. Allgemein lägen die Prognosen um die minus 6 Prozent für 2009. „Wir werden keine andere Zahlen nennen, weil wir keine besseren und genaueren nennen können“, sagte Keitel.

          Seriöse Prognosen seien voraussichtlich auch erst nach der Sommerpause, etwa ab September und Oktober abzugeben. Die industrielle Produktion sei in den kommenden zwei Monaten in der Regel schwächer als der Jahresdurchschnitt. Keitel sagte, inzwischen gebe es einige Branchen, bei denen in diesen Tagen eine Bodenbildung festzustellen sei. Es gebe auch Branchen, die nahezu unbeeindruckt durch die Krise gegangen seien, etwa der Gesundheits- oder der Ernährungssektor. Dennoch: „Wir wissen, dass wir auch im kommenden Jahr keinen großen Aufschwung erwarten können“, sagte Keitel.

          Merkel will „Exitstrategie“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach den Unternehmern derweil Zurückhaltung bei künftigen staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen. Für die Rettung angeschlagener Unternehmen gebe es klare Entscheidungskriterien, versicherte Merkel am Montag während der BDI-Veranstaltung. „Wir werden versuchen, uns politisch rauszuhalten“, betonte sie. Sie verwies auch auf die im Zuge der Wirtschaftskrise enorm angewachsene Staatsverschuldung, für die eine „Exitstrategie“ gefunden werden müsse.

          Merkel verteidigte im Nachhinein die Rettung des Autobauers Opel und den Verzicht auf Hilfen für den Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Die Insolvenz von Arcandor bedeute „mitnichten, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet“, sondern biete eine „Chance zur vernünftigen Restrukturierung“, sagte sie auf der Veranstaltung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die Entscheidungen zu Opel und Arcandor hätte sie „nicht anders getroffen, wenn es keinen Wahlkampf gegeben hätte“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angespannt: die Hamburger FDP-Landes- und stellvertretende Bundesvorsitzende Katja Suding am Sonntag bei Bekanntgabe der ersten Prognosen

          Panne bei Wahlauszählung : Die FDP hat in Hamburg doch weniger Stimmen

          Die FDP könnte den Wiedereinzug in die Hamburger Bürgerschaft verpassen, weil ihre Stimmen im Wahlbezirk Langenhorn mit denen der Grünen verwechselt wurden. Aber selbst wenn sie es doch noch schafft: Thüringen hat auch in der Hansestadt das Vertrauen vieler Wähler in die Liberalen erschüttert.
          Touristenmassen auf dem Markusplatz: So sieht es normalerweise in Venedig aus, das Coronavirus hält Urlauber aber derzeit fern.

          Vor Start der ITB : Die Urlaubsmesse droht zur Sorgenschau zu geraten

          Bislang galt Sars-Cov2 vor allem als asiatisches Thema. Nun wird das Coronavirus für die Reisebranche zum immer drängenderen Thema. Und das ist nicht das Einzige, was der Tourismusindustrie Sorgen bereitet.
          Catherine Deneuve in dem Film „La Vérité – Leben und lügen lassen“

          Catherine Deneuve im Gespräch : Siebzig? Das neue Fünfzig!

          Sie ist der größte Star des europäischen Kinos. Jetzt spielt sie in „La Vérité – Leben und lügen lassen“ eine Art Über-Diva. Catherine Deneuve im Gespräch über Starrollen und Rauchen im Alter, Metoo und Brigitte Bardot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.