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Konjunktur : Mit der Wirtschaft geht es weiter bergab

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Bild: F.A.Z.

Die konjunkturelle Abschwächung im Euro-Raum dürfte sich noch bis zum Jahresende fortsetzen. Darauf deutet der sinkende DZ Bank Euro-Indikator. Ifo-Institut und Gesamtmetall fürchten, dass Aufträge nur noch bis Jahresende reichen. Dann drohe wieder Stellenabbau.

          Die konjunkturelle Abschwächung im Euro-Raum dürfte sich zumindest noch bis zum Jahresende fortsetzen. Darauf deutet die Entwicklung des DZ Bank Euro-Indikators hin, der im Juli mit minus 1,1 Prozent den stärksten monatlichen Rückgang seit Anfang der neunziger Jahre aufweist. Das Niveau liegt nun mit 97,2 Punkten so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr; die Vorjahresrate ist auf minus 4,7 Prozent gesunken. Die Talfahrt des konjunkturellen Frühindikators dauert nunmehr seit rund einem Jahr an, und es gibt bislang keine Anzeichen für eine bevorstehende Trendwende zum Positiven.

          Der deutschen Industrie drohen nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts im Winter ein Mangel an Aufträgen sowie ein Stellenabbau. „Die Erwartungen der Unternehmen sind grottenschlecht“, sagte der Leiter der Konjunkturabteilung, Kai Carstensen, der „Bild“-Zeitung. „Es fehlt an neuen Aufträgen. Viele Firmen werden nach und nach Kapazitäten abbauen, auch Personal entlassen.“

          „Aufträge nur noch bis Jahresende“

          Auch der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, zeigte sich besorgt: „Die weltweite Konjunkturabkühlung trifft die Metall- und Elektroindustrie zunehmend stärker. In vielen Firmen reichen die Aufträge nur noch bis Jahresende.“

          Nouriel Roubini sieht hunderte von Banken vor der Pleite

          Die Eintrübung der konjunkturellen Perspektiven zeigte sich im Juli, wie bereits im Vormonat, besonders deutlich an der schlechteren Stimmung der Unternehmen und Verbraucher. Im Verarbeitenden Gewerbe sind die Produktionserwartungen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit rund fünf Jahren gesunken. Trotz einer immer noch relativ hohen Kapazitätsauslastung und eines recht komfortablen Auftragspolsters blicken die Unternehmen zunehmend skeptisch in die Zukunft. Nach der Juli-Umfrage unter den Einkaufsmanagern gingen die Produktion, der Auftragseingang, die Exporte und die Beschäftigung zurück, so dass das Risiko einer Industrierezession im Euro-Raum merklich gestiegen ist.

          Verbraucher so pessimistisch wie selten zuvor

          Noch nie seit Beginn der Umfrage 1985 waren die europäischen Verbraucher so pessimistisch im Hinblick auf ihre persönliche Finanzlage in den nächsten sechs Monaten; und noch nie waren sie so wenig geneigt, größere Anschaffungen zu tätigen. Der wohl wichtigste Grund: Der Indikator für die "gefühlte Inflation", also die Einschätzung des Preisanstiegs der letzten zwölf Monate, ist auf einen neuen Höchststand gestiegen - weit über die Inflation der im statistischen Warenkorb enthaltenen Verbraucherpreise. Gleichzeitig haben sich die Konjunkturerwartungen der Haushalte deutlich eingetrübt. Insgesamt ist die Stimmung der Verbraucher so negativ wie zuletzt im Frühjahr 2003.

          Auch an den Finanzmärkten ist die Stimmungslage derzeit trüb. Die Aktienkurse sind im Juli durchschnittlich, gemessen am MSCI-Index für den Euro-Raum, noch einmal um fast 9 Prozent gesunken. Auf dem Interbankenmarkt liegt das Zinsniveau nicht nur nach wie vor deutlich höher als der EZB-Leitzins, sondern auch über der Rendite lang laufender Staatsanleihen.

          Roubini: Hunderte von Banken vor der Pleite

          In den Vereinigten Staaten werden nach Ansicht eines einflussreichen Wirtschaftsexperten aufgrund der Rezession mittelfristig noch hunderte von Banken pleite gehen. Zur Rettung der angeschlagenen Finanzdienstleistungsbranche dürften die Steuerzahler mit mindestens einer Billion Dollar zur Kasse gebeten werden, sagte der New Yorker Universitätsprofessor und Ökonom Nouriel Roubini dem amerikanischen Finanzblatt „Barron's“ (NAB-Abschreibungen - schlechtes Zeichen für Finanzwerte). Eher könnten es aber zwei Billionen Dollar werden. Die Banken hätten im Zuge der Hypothekenkrise bislang nur ihre Subprime-Kredite abgeschrieben. Vor ihnen lägen aber noch Verluste aus dem Konsumentenkreditgeschäft, für die sie keine Reserven hätten.

          Die Versuche der amerikanischen Notenbank, die Krise zu bewältigen, seien bislang schwach gewesen, fügte Roubini hinzu. Die Zentralbank habe die Probleme noch nicht richtig erkannt. Die Vereinigten Staaten befänden sich in der zweiten Phase einer Rezession, die mindestens 18 Monate dauern werde. Die Kredit- und Hypothekenkrise hat in Amerika seit Jahresbeginn bereits acht Banken in den Ruin getrieben. Der folgenschwerste Zusammenbruch war die Insolvenz des größten unabhängigen börsennotierten Baufinanzierers IndyMac.

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