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Bahn und GDL : Eine neue Tarifwelt?

  • -Aktualisiert am

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Bahn und Lokführergewerkschaft haben sich auf einen Tarifvertrag geeinigt. Das ging aber nur mit Hilfe der Schlichter. Ein normaler Tarifkonflikt war das nicht.

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          Aus diesem Konflikt haben die Tarifparteien der Bahn nur mit Hilfe der Schlichter herausgefunden. Nach einem Jahr mit neun stets weiter eskalierenden Streiks der Lokführer kommt das Ende nun bemerkenswert unspektakulär daher. Was haben die Lokführer unter ihrem berühmt-berüchtigten Chef Weselsky erreicht?

          Auf der Lohnseite gesteht ihnen die Bahn neben ordentlichen, aber nicht außergewöhnlichen Tarifsteigerungen von etwas mehr als fünf Prozent – die zuvor schon die größere Konkurrenzgewerkschaft EVG für das übrige Personal erstritten hatte – eine Arbeitszeitverkürzung zu. Sie wird freilich erst in drei Jahren wirksam und gilt ebenfalls für die Konkurrenz. Die Verkürzung um eine Stunde ist für die Bahn teuer, sie entspricht einer Lohnerhöhung um weitere 2,6 Prozent.

          Gut möglich, dass die Bahn diese als vorweggenommenes Zugeständnis der nächsten Tarifrunde betrachtet, die dann magerer ausfallen könnte. Gut vermarktbar, nicht nur für Bahn und Gewerkschaften, ist die Zusage, 300 Lokführer und 100 Zugbegleiter einzustellen: Der linke Thüringer Ministerpräsident Ramelow als Schlichter wird dies politisch für sich zu nutzen wissen. Was die Zusage tatsächlich wert ist bei rund 160.000 Bahnbeschäftigten und wie viele Überstunden abgebaut werden, wird niemand genau nachhalten.

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          Bis hier ist dieser Kompromiss kein tarifpolitisches Hexenwerk. Eine funktionierende Sozialpartnerschaft hätte ihn ohne derart enorme Kosten für die Bahn und ihre Kunden zustande bringen müssen. Aber es handelte sich eben nie um einen normalen Lohnkonflikt, und von der Partnerschaft war bei der Bahn nicht mehr viel übrig. Die GDL musste befürchten, zumal unter dem Druck des neuen Tarifeinheitsgesetzes der großen Koalition, als kleinere Gewerkschaft im Bahn-Konzern keine Zukunft mehr zu haben. Indem die Bahn der GDL zugesichert hat, das Gesetz vorerst nicht anzuwenden, hat sie die Lokführer beruhigt und gezähmt. Dafür hat sich die Gewerkschaft verpflichtet, künftig erst nach einem Schlichtungsversuch zu streiken.

          Mit diesen Punkten tastet sich das Tarifwerk vor in eine Unternehmenswelt, in der konkurrierende Gewerkschaften nebeneinander bestehen, ohne das Wohl des Konzerns durch Dauerstreiks aufs Spiel zu setzen. Gelingt das bei der Bahn, könnte der Tarifvertrag Modellcharakter bekommen. An die Politik wäre das ein Signal, die Tarifautonomie künftig wieder mehr zu respektieren.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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