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Rubel-Verfall : Zahltag in Russland

  • -Aktualisiert am

Für einen Dollar müssen die Russen immer mehr bezahlen. Bild: dpa

Der Absturz des Rubel macht den Russen Angst. Allein am Dienstag hat die russische Währung ein Fünftel ihres Wertes verloren. Putin ist daran nicht unschuldig.

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          Was hätte sie auch anderes sagen sollen? Russlands Notenbank-Chefin Elwira Nabiullina machte am Dienstag äußere Faktoren für die Kurskapriolen des Rubel verantwortlich, darunter den gesunkenen Erdölpreis. Ehrlicher wäre es gewesen, sie hätte Präsident Wladimir Putin die Schuld gegeben – aber das empfiehlt sich nicht, wenn man in Russland einen hohen Staatsposten innehat. Zwar tat Putin persönlich direkt nichts, was den Rubel zuletzt so enorm schwächte. Euro und Dollar haben zum Rubel am Montag zunächst 10 Prozent und am Dienstag in der Spitze dann 22 Prozent zugelegt, trotz einer drastischen Leitzinserhöhung der Notenbank. Aber auch der Erdölpreis war nicht schuld, hielt er sich doch im Vergleich relativ stabil auf tiefem Niveau.

          Natürlich ist die Währung des Rohstoffexporteurs Russland abhängig von Rohstoffpreisen, besonders jenem für Erdöl. Das haben die Kursbewegungen im Herbst gezeigt. Aber was sich jetzt am Devisenmarkt abspielt, wirkt wie ein Sturm aus Hysterie und Spekulation, der sich ohne äußeren Anlass selbst verstärkt. Der Devisenmarkt ist der größte Handelsplatz der Welt; es müssen enorme Summen in Bewegung geraten, um diese Kursausschläge zu erzeugen. Für solch eine Panik braucht es ein Klima hochgradiger Verunsicherung. Dafür trägt Putin die Verantwortung: Ohne die Annektion der ukrainischen Halbinsel Krim und die Destabilisierung der Ostukraine wäre es nicht zu den Sanktionen des Westens und einer Verschärfung der russischen Wirtschaftsschwäche gekommen. Ohne die Ukraine-Krise würde Russland weiterhin als international halbwegs verlässlicher Partner gelten, bei dem es sich ausländische Investoren nicht dreimal überlegen, ob sie dieses Länderrisiko wirklich auf sich nehmen wollen.

          Leidtragende des Kurssturzes sind zuerst die normalen Russen, die sich unter dem langjährigen Stabilitätsgaranten Putin in eine neue Phase der Instabilität katapultiert sehen. Der Kapitalabfluss aus dem Land ist groß und könnte dieses Jahr 120 Milliarden Dollar erreichen. Nicht nur ausländische Investoren ziehen Kapital ab, auch in Moskau rattern die Geldautomaten. Der Zentralbank kann es vielleicht gelingen, mit der geldpolitischen Notoperation den Rubel kurzfristig zu stabilisieren. Aber für eine dauerhafte Erholung der russischen Währung braucht es eine neue Vertrauensbasis am Finanzmarkt. Diese Basis hat nicht die Geldpolitik zerstört, sondern die russische Außenpolitik. Leider gibt es wenig Grund zur Hoffnung, Putin könne einen Kurswechsel einleiten. Deshalb ist jetzt Zahltag in Russland.

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