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Kommentar : Euro-Geistesverwirrung

Soll es Geld vom Himmel regnen? EZB-Präsident Draghi bezeichnet Helikoptergeld als ein „sehr interessantes Konzept“. Klarsichtiger ist da der frühere Chefvolkswirt der Zentralbank. Der nennt es „totale Geistesverwirrung“.

          Soll die Europäische Zentralbank Geld verschenken, damit die Inflation in Schwung kommt? Die EZB könnte doch mit dem Helikopter über Euroland fliegen und Geldscheine regnen lassen. Das schlagen dieselben Leute vor, die zuvor erzählten, der Euro werde gerettet, wenn Griechenland noch mehr Schulden mache oder man Athen die Schulden erlasse, den Euro-Rettungsfonds ESM gründe, die Bankenunion beschließe oder die EZB Staatsanleihen kaufe. Hat zwar alles den Euro nicht gerettet, aber egal, dann noch mehr Geld drucken.

          Was ist schlimmer? Dass kein Grund für eine Panik besteht, weil es keine Deflationsspirale, sondern nur stabile Preise mit null Inflation gibt. Oder dass EZB-Präsident Mario Draghi Helikoptergeld als ein „sehr interessantes Konzept“ bezeichnet hat.

          Soll in einer von der EZB gelenkten Euro-Planwirtschaft Anstrengung nicht mehr belohnt werden? Erfüllt bald der Weihnachtsmann der EZB jeden Konsumwunsch?

          Ein klarsichtiger Geldpolitiker warnt. Eine Notenbank, die Geld verschenkt, verliere die Kontrolle über die Notenpresse, sagt Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der EZB, und fügt an: „Ich halte das für eine totale Geistesverwirrung.“

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