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Kommentar : Bank-Euro-Atom

  • -Aktualisiert am

Von den einst so stolzen Stromkonzernen ist nicht mehr viel übrig. Womöglich muss der Steuerzahler noch für Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke haften. Vor allem die Politik ist daran schuld.

          Wird der deutsche Steuerzahler nach den Banken und dem Euro auch von den Versorgern in Haftung genommen? Folgt der Privatisierung der früher schönen Gewinne aus Atomstrom bald die Sozialisierung der Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke? Das könnte so kommen. Denn von den ehemals stolzen Stromkonzernen ist nicht mehr viel übrig.

          Am armseligen Zustand der Versorger ist hauptsächlich die Politik schuld. Durch den erzwungenen und überstürzten Ausstieg aus der Atomkraft wurde dieses Kapital über Nacht entwertet. Danach wurde die Energiepolitik auch noch in den Dienst des Klimaschutzes gestellt. Seitdem der extrem subventionierte Ökostrom im Netz und in der Politik Vorrang hat, rechnen sich selbst modernste Gaskraftwerke nicht mehr. Deshalb schmelzen die Börsenwerte der Versorger schneller als Schnee in der Sonne.

          Werner Müllers Traum

          Für den Rückbau der Atomkraft haben die vier Stromkonzerne Eon, RWE, ENBW und Vattenfall in ihren Bilanzen Rückstellungen in Höhe von 39 Milliarden Euro gebildet. Das wird nicht reichen. Es könnten tatsächlich rund 30 Milliarden Euro fehlen. Denn Schätzungen zufolge dürften die Kosten eher bei 70 als bei 30 Milliarden Euro liegen.

          Der Bilanzfachbegriff Rückstellung kann in die Irre führen. In den Versorgern ist dieses Geld nicht im Tresor für den Atomausstieg „zurückgestellt“. Vielmehr wurde das Geld teilweise etwa in ein Gaskraftwerk investiert, das ja ebenfalls durch die Energiewende entwertet wurde. Die Stromkonzerne müssen folglich den Ausstieg aus der Kernkraft aus dem laufenden Ertrag finanzieren. Das wird schwierig, weil Politiker ihr Geschäftsmodell zerstört haben. Die Börse jedenfalls hat ihr Urteil längst gefällt. Der Markt bewertet etwa RWE nur mit 7 Milliarden Euro, während die Atomrückstellung in der Bilanz mit 10 Milliarden zu Buche schlägt.

          Da weder die Politik noch die Versorger eine Lösung haben, könnte am Ende Werner Müller seinen Traum wahrmachen und Ruhrbaron werden. Der frühere Wirtschaftsminister und vermutlich nächste Aufsichtsratsvorsitzende von RWE weist mit der von ihm erfundenen Kohlestiftung einen Weg. Die Versorger nehmen ihre Klage auf Schadensersatz zurück und bringen Vermögensteile in eine Atomstiftung ein. Der Staat gibt eine Garantie für die Stiftung, steht also für die Kosten ein.

          Damit würde schon wieder das marktwirtschaftliche Prinzip, wonach Haftung und Kontrolle in eine Hand gehören, gebrochen. Es ist kein Trost, dass der deutsche Steuerzahler das inzwischen fast gewohnt ist.

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