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Kommentar : Sündenbock China

  • -Aktualisiert am

Der europäischen Stahlindustrie geht es schlecht. Doch daran sind weder die EU-Kommission noch China schuld.

          1 Min.

          Begleitet von der Hymne „We will rock you“ der britischen Band Queen, sind am Montag mehrere tausend Stahlarbeiter zum Brüsseler Sitz der Europäischen Kommission gezogen, um gegen die Konkurrenz aus China zu demonstrieren. Die Kommission geht nach Ansicht der Branche nicht konsequent genug gegen Dumpingpreise vor und trägt deshalb eine Mitschuld daran, dass Arbeitsplätze in der Stahlindustrie verlorengehen.

          Tatsächlich haben die Chinesen in den vergangenen Jahren große Überkapazitäten aufgebaut, sie drängen auch immer stärker mit auffällig niedrigen Preisen auf den Weltmarkt. Die Kommission hat darauf reagiert und in 16 Fällen Antidumping-Zölle verhängt, zuletzt erst am vergangenen Freitag. Untätigkeit kann man ihr nicht vorwerfen. Der Vorwurf trifft eher die europäische Stahlbranche. Auch sie schleppt seit Jahren große Überkapazitäten mit sich.

          Zudem geht sie die Modernisierung der Produktion zu zögerlich an. Die chinesische Konkurrenz muss deshalb wie zuvor bei der Solarbranche als willkommener Sündenbock für das eigene Versagen herhalten. Die europäische Stahlbranche „rockt“ niemanden mehr, doch das ist weder die Schuld Chinas noch der EU-Kommission.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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