https://www.faz.net/-gqe-8s216

Kommentar : Polens Trumponomics

Die staatliche Erstattung der Umsatzsteuer für Exporte in Polen ist ein Magnet für bandenmäßig organisierten Betrug. Vor allem einem kämen falsche Wachstumszahlen durchaus gelegen.

          Die staatliche Erstattung der Umsatzsteuer für Exporte ist qua Konstruktion ein Magnet für bandenmäßig organisierten Betrug. Der polnische Finanzminister Morawiecki hat nun berichtet, dass es in seinem Land fingierte Rechnungen im großen Stil gegeben habe. Umgerechnet sieben Milliarden Euro im Jahr seien dem Fiskus dadurch entgangen.

          Das klingt durchaus plausibel, hat es doch in der Vergangenheit schon ähnliche Vorfälle gegeben. Auffällig ist dagegen, dass der Politiker der nationalkonservativen PiS-Partei daraus schlussfolgert, dass das Wirtschaftswachstum der Jahre 2014 und 2015 von jeweils mehr als 3 Prozent deutlich nach unten revidiert werden müsste. Damit würde das wirtschaftspolitische Abschlusszeugnis der liberalen Vorgängerregierung mächtig entwertet und Jaroslaw Kaczynski zum großen Nutznießer.

          Denn der mächtige PiS-Vorsitzende hatte im Wahlkampf 2015 das Bild eines am Boden liegenden Landes gezeichnet und versprochen, Polen stärker und gerechter zu machen. Kaczynski lieferte quasi die mentale Blaupause für die Kampagne Donald Trumps. Der polnischen Version der Trumponomics droht jedoch ein herber Rückschlag, sollten die Wachstumszahlen Ende Januar hinter die Vorjahre zurückfallen. Da käme den Regierenden in Warschau eine Revision wohl gerade recht. Sie würde die eigene Bilanz im Nu verschönern.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ola im Härtetest

          FAZ Plus Artikel: Erste IAA für den Daimler-Chef : Ola im Härtetest

          „Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen“, sagt Ola Källenius und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein. Die Aktionäre als Eigentümer sollen zugleich höchste Priorität haben. Seine erste IAA als Daimler-Chef hat es in sich.

          Topmeldungen

          Die Ruhe vor der Messe: Ola Källenius im provisorischen Daimler-Hauptquartier auf der IAA

          Erste IAA für den Daimler-Chef : Ola im Härtetest

          „Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen“, sagt Ola Källenius und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein. Die Aktionäre als Eigentümer sollen zugleich höchste Priorität haben. Seine erste IAA als Daimler-Chef hat es in sich.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.