https://www.faz.net/-gqe-7t6at

Kommentar : Paternalisten

In einem liberalen Rechtsstaat haben Menschen die Freiheit, Dinge zu tun, die ihnen schaden. Soll der Staat versuchen, dass zu ändern?

          1 Min.

          Angenommen, Verhaltensforscher könnten beweisen, dass die meisten Menschen in vielen Situationen ganz irrational handeln. Soll der Staat sie dann durch mehr oder weniger sanfte Schubser auf den Pfad der Vernunft und des Wohlverhaltens bringen? In einem liberalen Rechtsstaat haben Menschen eigentlich auch die Freiheit, Dinge zu tun, die ihnen selbst schaden. Man darf rauchen, man darf Alkohol trinken, man darf riskanten Sport treiben oder gar keinen. Zunehmend gibt es aber in vielen westlichen Staaten eine Tendenz zur Bevormundung der Bürger, beispielsweise durch Horrorbildchen auf Zigarettenpackungen.

          Der Staat greift in die persönlichen Präferenzen und Entscheidungen ein, er manipuliert Wahlmöglichkeiten. Wenn das Kanzleramt nun einen Trupp Verhaltensökonomen einstellt, sollte man hellhörig werden. Verhaltensökonomen wissen, wie schon kleine Änderungen des Entscheidungsdesigns die Resultate stark beeinflussen können. In manchen Fällen mag man das für wünschenswert erachten.

          Die Gefahr liegt aber darin, dass der „sanfte“ Paternalismus oft die Vorstufe zum harten Paternalismus ist. Der umsorgende Nanny-Staat ist für viele Politiker und Gutmenschen eine verlockende Utopie, für andere eine erschreckende Vision. Darf man denn fragen, wie es mit Rationalität und Verantwortung in der Politik ausschaut?

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Nach einer langen Nacht in Brüssel ging es für Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin weiter.

          Corona-Bonds : Büchse der Pandora

          Die Behauptung, Corona-Bonds würden ein Ausnahmefall bleiben, zeigt bestenfalls politische Naivität. Wer die Büchse der Pandora öffnet, kann sie nie wieder schließen.
          Linda Tripp spricht im Juli 1998 zu Reportern.

          Linda Tripp : Auslöserin der Lewinsky-Affäre ist tot

          Ihre heimlichen Tonbandaufnahmen brachten vor mehr als 20 Jahren Bill Clintons Präsidentschaft ins Wanken. Nun ist Linda Tripp im Alter von 70 Jahren gestorben. Monica Lewinsky hatte sich kurz vorher noch zu Wort gemeldet.

          Corona-Quarantäne : Stresstest für die Psyche

          Die behördlich angeordnete Isolierung schützt zwar viele Menschen vor tödlichen Krankheiten. Doch sie kann auch schwere seelische Leiden zur Folge haben, mit monatelangen Nachwirkungen. Was kann man dagegen unternehmen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.