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Kommentar : Paternalisten

In einem liberalen Rechtsstaat haben Menschen die Freiheit, Dinge zu tun, die ihnen schaden. Soll der Staat versuchen, dass zu ändern?

          Angenommen, Verhaltensforscher könnten beweisen, dass die meisten Menschen in vielen Situationen ganz irrational handeln. Soll der Staat sie dann durch mehr oder weniger sanfte Schubser auf den Pfad der Vernunft und des Wohlverhaltens bringen? In einem liberalen Rechtsstaat haben Menschen eigentlich auch die Freiheit, Dinge zu tun, die ihnen selbst schaden. Man darf rauchen, man darf Alkohol trinken, man darf riskanten Sport treiben oder gar keinen. Zunehmend gibt es aber in vielen westlichen Staaten eine Tendenz zur Bevormundung der Bürger, beispielsweise durch Horrorbildchen auf Zigarettenpackungen.

          Der Staat greift in die persönlichen Präferenzen und Entscheidungen ein, er manipuliert Wahlmöglichkeiten. Wenn das Kanzleramt nun einen Trupp Verhaltensökonomen einstellt, sollte man hellhörig werden. Verhaltensökonomen wissen, wie schon kleine Änderungen des Entscheidungsdesigns die Resultate stark beeinflussen können. In manchen Fällen mag man das für wünschenswert erachten.

          Die Gefahr liegt aber darin, dass der „sanfte“ Paternalismus oft die Vorstufe zum harten Paternalismus ist. Der umsorgende Nanny-Staat ist für viele Politiker und Gutmenschen eine verlockende Utopie, für andere eine erschreckende Vision. Darf man denn fragen, wie es mit Rationalität und Verantwortung in der Politik ausschaut?

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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