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Kommentar : Not-Millionen für die Milchbauern

  • -Aktualisiert am

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verspricht den Milchbauern hundert Millionen Euro „plus x“, weil die unter dem niedrigen Milchpreis leiden. Das wird den Bauern aber nicht viel helfen.

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          Weniger als zwanzig Cent bekommen Landwirte in Deutschland derzeit für einen Liter Milch. Das ist die Folge einer gewaltigen Überproduktion und zwingt viele tausend Höfe zum Aufgeben. Zusätzlich hat das anhaltende Preistief die konventionellen Bauern in eine tiefe Krise ihres Selbstverständnisses gestürzt. Das lautete über Jahre: mehr produzieren für den Export, da die Weltbevölkerung schnell wächst und mit ihr die Nachfrage nach Lebensmitteln, also auch nach Milch. Doch die Milchpreiskrise, die heftigste ihrer Art in einem immer launischeren, zyklisch schwankenden Weltmarkt, lässt grundsätzliche Zweifel aufkommen, ob es klug war, diesen Weg zu wählen.

          Der Weltmarkt sieht derzeit für die Bauern aus wie eine Loreley, die schöne Lieder singt, aber tötet. Zumindest für den Moment sieht es so aus, als könne man in Deutschland – einem regenreichen, guten Produktionsstandort – mittelfristig vielleicht Milch oder Käse für wachsende Märkte in China, Arabien oder anderswo produzieren. Jedoch: nicht mit der Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form, nicht mehr mit den bäuerlichen, inhabergeführten, mittelgroßen Höfen. Dafür braucht es die Mega-Industriebetriebe, wie sie Staaten wie China, Neuseeland oder sogar Saudi-Arabien selbst bauen lassen.

          Bild: dpa

          Die hundert Millionen Euro „plus x“ vom Staat, die Agrarminister Christian Schmidt nun für die Bauern in Aussicht stellte, sind angesichts dieser Entwicklung viel zu wenig. Für die noch gut 70.000 Milchbauernhöfe, die im Schnitt jeweils mindestens 50.000 Liter Milch im Monat produzieren dürften, sieht die Rechnung so aus: Vorsichtig kalkuliert, macht ein solcher Bauernhof nur mit dem Milchgeschäft bei aktuellen Preisen in jedem Monat 2500 Euro Verlust; Schmidts Not-Millionen brächten aber nicht einmal 1500 Euro pro Hof. Das ist gerade genug Geld, um gut zwei Wochen länger melken zu können.

          Das ist nicht mehr als ein Feigenblatt für die Bundesregierung. Sie will sich nicht nachsagen lassen, nichts für die Bauern zu tun. Der Staat tut zwar beileibe schon einiges. Unglaubliche gut 40 Prozent des EU-Haushalts gehen an Landwirte. Es gibt vom Staat zusätzlich Bioprämien, und die Energiewende lässt Milliarden auf die Konten von Landwirten fließen, die Energie-Mais, Wind oder Sonne „vom Feld“ ernten. Den Strukturwandel der Milchbauern hat das alles aber nur leicht gebremst.

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