https://www.faz.net/-gqe-8vhlk

Kommentar : Marktschreier der Armut

  • -Aktualisiert am

Armut ist das Geschäft des Paritätischen Gesamtverbands. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit vertraut er weniger als andere auf die Kraft guter Argumente. Sein jüngster Bericht bestätigt das.

          Armut ist das Geschäft des Paritätischen Gesamtverbands, der 10.000 soziale Organisationen vertritt. Mit fünf weiteren Dachverbänden der Wohlfahrtspflege konkurriert er um politische Aufmerksamkeit und Geld.

          In diesem Wettbewerb vertraut er weniger als andere auf die Kraft guter Argumente. Sein jüngster Armutsbericht bestätigt das. Der längst bekannte, geringfügige Anstieg der Armutsrisikoquote um 0,3 auf 15,7 Prozent wird da zu einer „skandalösen Zunahme“ und Anlass zur Forderung einer armutspolitischen Offensive.

          Tatsächlich spiegelt sich hier die große Fluchtwelle 2015, wie die einer Verniedlichung der Armut unverdächtige Böckler-Stiftung der Gewerkschaften im Herbst schrieb. Für die übrige Bevölkerung hat sich die Gefahr, in Armut zu rutschen, nicht erhöht. Hinzu kommt die große Problematik dieses Maßes, das Menschen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Mittelwerts als armutsgefährdet einordnet, ohne zu differenzieren. Darunter fallen Auszubildende und Studenten, die kein Armutsrisiko tragen. Ausgeblendet wird die Kaufkraft und anderes mehr. Der Sozialstaat funktioniert viel besser, als die sozialen Marktschreier glauben machen wollen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Fertig heißt nicht fix

          FAZ Plus Artikel: Fertighäuser : Fertig heißt nicht fix

          Smart, günstig und mit Wohlfühlfaktor – Fertighäuser gibt es für jeden Kundenwunsch. Doch ausgerechnet der größte Vorteil geht jetzt vielfach flöten. Das hat mit den vollen Auftragsbüchern der Hersteller zu tun.

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Eurofighter-Absturz : Nur ein paar Meter vom Kindergarten entfernt

          Ein Schock für die Menschen in Nossentiner Hütte, ein Schock für die Luftwaffe: Was über den Absturz der Eurofighter bislang bekannt ist – und wie die Bevölkerung reagiert. Ein Besuch vor Ort.
          „Medley“ gehört zu beliebten Serien von Finger Haus.

          FAZ Plus Artikel: Fertighäuser : Fertig heißt nicht fix

          Smart, günstig und mit Wohlfühlfaktor – Fertighäuser gibt es für jeden Kundenwunsch. Doch ausgerechnet der größte Vorteil geht jetzt vielfach flöten. Das hat mit den vollen Auftragsbüchern der Hersteller zu tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.