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Kommentar : Macht Schluss mit der lockeren Geldpolitik!

  • -Aktualisiert am

Die großen Notenbanken dieser Welt haben sich mit ihrer Zinspolitik völlig verrannt. Was zu Beginn der Finanzkrise noch gut gewesen sein mag, zeitigt jetzt die merkwürdigsten Folgen.

          Verstehe einer die Notenbanken! Lange Zeit waren sich die Anleger sicher, dass Amerikas Notenbank Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 17. September die Zinswende einleiten und erstmals seit 2006 den Leitzins wieder erhöhen wird. Dann aber kam der Crash in China und mit ihm die Unsicherheit: Würde es die Fed in dieser heiklen Lage für die Weltwirtschaft wirklich wagen, die Zinsen anzuheben?

          Eine plausible Antwort darauf haben die Finanzmärkte bislang nicht gefunden. Im Gegenteil: Das Ratespiel „Was werden die Notenbanken wohl als Nächstes tun?“ wird immer abstruser. Dies zeigte sich am vergangenen Freitag, als in den Vereinigten Staaten zum letzten Mal vor der Fed-Sitzung neue Daten zum amerikanischen Arbeitsmarkt veröffentlicht wurden. Schlauer war das Heer der professionellen Notenbank-Interpreten nachher allerdings auch nicht. Denn die Daten waren uneindeutig: Zum einen ist die Arbeitslosigkeit in Amerika auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 gesunken - das wäre ein Argument dafür, die Zinsen zu erhöhen. Zum anderen gab es in Amerika zuletzt weniger neue Stellen als allgemein erwartet - das wäre ein Argument dafür, die Zinsen bei ihrem Stand von nahe null zu belassen. Konfusion total.

          All diese verzweifelten Interpretationen zeigen: Die großen Notenbanken dieser Welt, die Fed und die Europäische Zentralbank, haben sich mit ihrer Zinspolitik völlig verrannt. Was zu Beginn der Finanzkrise noch gut gewesen sein mag, zeitigt jetzt die merkwürdigsten Folgen. Während die Notenbanken nämlich ihre eigentlichen Ziele ständig verfehlen (also die Inflationsrate bei einem Wert von etwa zwei Prozent zu stabilisieren und die Wirtschaft in Schwung zu bringen), müssen sich die Anleger mit den Kollateralschäden herumschlagen.

          Lange waren diese zu verkraften, weil die Aktienkurse wegen der niedrigen Zinsen deutlich stiegen. Die heftigen Kursausschläge des Dax in der vergangenen Woche sind aber nun eine unangenehme Folge der Unsicherheit über die weitere Geldpolitik.

          Auch wenn dies mit Verwerfungen an den Märkten einhergehen wird: Die Fed sollte mit ihrer Politik des billigen Geldes so schnell wie möglich Schluss machen. Dann nämlich könnten sich die Anleger endlich wieder auf das konzentrieren, was an der Börse wirklich wichtig ist. Es sind die dort gehandelten Unternehmen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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