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Kommentar : Enttäuschte Kosovaren

Warum kommen gerade jetzt so viele Kosovaren nach Deutschland? Die Politik hat viele Hoffnungen im Land enttäuscht.

          Armes Kosovo! Ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit – gerade unter den vielen Jugendlichen – ist erschreckend hoch. Das Kosovo kann sich nicht selbst ernähren, sondern lebt vom Ausland: den Überweisungen der Gastarbeiter und den internationalen Gebern.

          Diese Situation aber ist nicht neu, und sie erklärt nicht, warum der Flüchtlingsstrom plötzlich so stark steigt. Ein möglicher Grund ist die Aufwertung des Franken in der Schweiz: Wer es in das zweitbeliebteste Land der Migranten hinter Deutschland schafft, der kann seinen Verwandten zuhause, wo der Euro gilt, 20 Prozent mehr bieten.

          Wahrscheinlicher aber ist, dass die Frustration der Kosovaren im Winter stark gewachsen ist. Viele hofften auf einen Neuanfang, nachdem die langjährige Regierungspartei ihre Parlamentsmehrheit verloren hatte. Doch die übrigen Fraktionen brachten ein halbes Jahr lang keine Koalition zustande.

          Jetzt regieren die alten Gewalten weiter. Gerade die Mittelschicht hatte sich Hoffnungen gemacht, dass die Vetternwirtschaft endet und sie endlich Aufstiegschancen erhält. Diese Träume sind verflogen, weshalb die Desillusionierten auswandern.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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