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Kommentar : Ein Anfang ist gemacht

Christian Lindner hat bei seiner ersten großen Rede als FDP-Vorsitzender die Kanzlerin attackiert. Den Beifall der Delegierten hat er gewonnen. Bald muss er nachlegen.

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          Liberal sein heißt auch mutig sein. Das Zitat ihres Vordenkers Thomas Dehler begrüßte die Delegierten auf dem FDP-Sonderparteitag in Berlin. Nach dem Wundenlecken vom Samstag stand der neue Parteivorsitzende am Sonntag vor der schwierigen Aufgabe, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Christian Lindner nahm das Dehler-Zitat ernst.

          Er warf der großen Koalition eine Enteignung der Bürger in der Rentenpolitik vor. Auf fragwürdige Weise verhindere sie die gebotene Beitragssenkung, weil sie das Geld für ihre fürsorgliche Politik brauche.

          Die Bundeskanzlerin bekam auch ihr Fett weg. Angela Merkel nannte Lindner eine Wortbrecherin. Zwei Mal habe sie versprochen, etwas gegen die kalte Progression tun zu wollen. Nun finde man zwar etwas zum Tanzzentrum Pina Pausch im Koalitionsvertrag, aber nichts zur kalten Progression.

          Den Beifall der Delegierten hat er gewonnen. Ob ihnen die übrigen Deutschen mit ihrem Faible für den starken Staat folgen werden? Wenn die FDP in den nächsten Wahlen eine Chance haben will, muss sie das Image loswerden, eine kaltherzige Klientelpartei zu sein. Einen Anfang ist mit Lindner gemacht. Mehr aber auch nicht.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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