https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kommentar-die-tuerkische-scheinbluete-15002103.html

Kommentar : Die türkische Scheinblüte

Seit dem Sieg des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan im Referendum kehrt das Vertrauen der Anleger zurück, so scheint es. Doch Direktinvestitionen lassen auf sich warten. Und das könnte so bleiben.

          1 Min.

          Die Türkei scheint zurück im Spiel zu sein. Nach dem Putschversuch Mitte Juli und den überschießenden Gegenschlägen des Regimes hatten die Investoren das Land zunächst hart bestraft: Immer schneller zogen sie ihr Kapital ab und sorgten so dafür, dass die ohnehin gebeutelte Landeswährung Lira auf den niedrigsten Stand ihrer Geschichte fiel.

          Seit Ostersonntag jedoch sieht es so aus, als ob das Vertrauen zurückkehrt. Die Lira hat deutlich an Wert gewonnen; die Aktienkurse konnten sogar ein Rekordhoch erklimmen. Zumindest vordergründig sind mit dem Sieg von Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Referendum wieder Ruhe und Planbarkeit eingekehrt. Das wissen Anleger zu schätzen, die weniger danach fragen, wer mit welchen Mitteln ein Land regiert als danach, welche Gewinnchancen sich dort bieten.

          Doch auch am Bosporus macht eine Schwalbe noch keinen Sommer. Finanzinvestoren können sich jederzeit wieder zurückziehen, wenn Ungemach droht, neue Terroranschläge zum Beispiel. Ähnlich scheu reagieren die Touristen.

          Verlassen kann sich die Türkei nur auf langfristige unternehmerische Geldgeber, doch deren Direktinvestitionen lassen weiterhin auf sich warten. Das wird sich erst ändern, wenn Ankara zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückkehrt. Danach sieht es leider derzeit nicht aus.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Weitere Themen

          „Sommerlaune“ bringt Erholung für Dax Video-Seite öffnen

          Frankfurter Börse : „Sommerlaune“ bringt Erholung für Dax

          Die Dax-Anleger nehmen den Schwung vom Freitag mit in die neue Börsenwoche. Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte BioNTech mit einem Kursplus von sieben Prozent. Wie nachhaltig die Kurserholung sein werde, sei unklar, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Siemens legt digital nach

          Neue Projekte : Siemens legt digital nach

          Der Industriekonzern verkündet eine Reihe neuer Projekte: An den finanziellen Zielen ändern die jedoch erst einmal nichts.

          Topmeldungen

          „Historische Entscheidung“ der Allianz: Joe Biden, Jens Stoltenberg und Pedro Sanchez am 29. Juni in Madrid

          Beitritt Finnlands und Schwedens : Die Natoisierung Europas

          Beim NATO-Gipfel in Madrid zeigt sich das Bündnis geschlossen – wenn auch unter Wehen. Russland wird nun als größte und unmittelbarste Gefahr eingestuft.
          Wladimir Putin mit dem turkmenischen Präsidenten Serdar Berdymuchamedow am Mittwoch in Aschgabad

          Beziehungen zu Moskau : Putin sucht neue Allianzen

          Der Kreml versucht andere Bündnisse als Alternative zu G7 und NATO aufzubauen. Auf China kann Wladimir Putin dabei bauen. Auch ehemalige Sowjetrepubliken versucht er zu gewinnen.
          Noch am Netz: das Atomkraftwerk Isar 2 (links) mit dem Kühlturm

          Deutschlands Energieversorgung : „Der Atomausstieg ist ein Erfolg“

          Deutschland befindet sich in der Energiewende: Der Umwelthistoriker Frank Uekötter über Kernkraftwerke in der aktuellen Versorgungskrise, die Atom-Begeisterung der fünfziger Jahre und die Widerstandskraft badischer Winzer.
          Das neue Landeskabinett für Nordrhein-Westfalen steht für ein Gruppenfoto vor dem Ständehaus zusammen.

          Nordrhein-Westfalen : Wüsts Überraschung für das Schulministerium

          Hendrik Wüst stellt sein Kabinett vor: Für den Posten der Bildungsministerin, der als besonders schwierig im Land gilt, verpflichtet er eine relativ Unbekannte. Außerdem befördert er den Laschet-Vertrauten Liminski.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.