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Kommentar : Die Börse fürchtet das Merkel-Risiko

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Die politische Zukunft der Bundeskanzlerin wird zum Börsenthema. Das ist überraschend. Aber es hat einen Grund.

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          Das Jahr 2016 wird ein Jahr mit besonders vielen Risiken. Da sind sich die meisten Börsenanalysten einig. Konjunktursorgen in China und Amerika, Ölpreisverfall, Kriege in Nahost und Flüchtlingswellen nach Europa, dazu Präsidentschaftswahlen in Amerika und ein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU – das ist für zwölf Monate mehr als genug Unsicherheit. Doch einigen Analysten scheint das noch nicht zu reichen.

          Sie haben jetzt auch noch ein Merkel-Risiko ausgemacht. Zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS. Der Leiter ihres Londoner Investmentbüros, Bill O’Neill, sagte, ein Rücktritt von Angela Merkel wegen der Flüchtlingskrise sei schlimmer als ein Austritt der Briten aus der Europäischen Union. Denn Merkel sei Garantin für die Stabilität der Eurozone. Schon kurz zuvor hatte der Chefanlagestratege der französischen Großbank Société Générale, Alain Bokobza, einen etwaigen Rücktritt zu einem der größten Risiken in diesem Jahr erklärt. Weil Merkel den Euro schütze.

          Nichts ist an der Börse so verhasst wie Unsicherheit

          Die politische Zukunft der Bundeskanzlerin wird zum Börsenthema. Das ist überraschend. Erstens ist die Wahrscheinlichkeit eines Rücktritts der Bundeskanzlerin derzeit gering. Merkel wird vielleicht ihre Politik der offenen Grenzen ändern müssen. Aber sie könnte es schaffen, das nicht als krachende Niederlage erscheinen zu lassen.

          Zweitens wäre selbst im unwahrscheinlichen Falle eines Merkel-Rücktritts ein grundlegender Politikwechsel Deutschlands nicht zwingend. Im Bundestag gibt es eine breite Mehrheit für die Euro-Rettung. Die Opposition steht zusammen mit der SPD sogar für noch mehr Solidarität mit den Euro-Krisenstaaten.

          Dass manche Investoren sich nun vor einer Zeit ohne Merkel fürchten, hat vor allem einen Grund: Nichts ist an der Börse so verhasst wie Unsicherheit. Und einen Politiker von ähnlichem Format wie Merkel können ausländische Anlagestrategen hierzulande derzeit nicht ausmachen. So erklären sich ihre ängstlichen Kommentare.

          Was wirklich fehlen würde, sind die diplomatischen Künste von Angela Merkel. Ihre Autorität half, die auseinanderdriftenden Interessen der Mitgliedsländer in Europa halbwegs zusammenzubringen. Dass allerdings nur Merkel allein Europa retten kann, ist dann doch ein wenig übertrieben.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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