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Kommentar : Banken gegen EZB

Die EZB denkt über eine Verschärfung ihrer Strafzinsen nach. Sie könnte damit das Gegenteil von dem erreichen, was sie möchte.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt nach, wie sie ihren negativen Einlagenzins weiter senken kann, vergisst dabei aber die Banken. Denn die stöhnen unter den Kosten und reichen den Strafzins für ihre Einlagen bei der Notenbank an die großen Kunden weiter. Das sind Unternehmen, aber auch Vorsorgeeinrichtungen. Das trifft den einfachen Sparer. Der bekommt den Strafzins zugleich über höhere Gebühren der Banken zu spüren.

          Es gibt noch eine andere Entwicklung, auf die der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, nun hingewiesen hat. Die Banken könnten ihre Kreditzinsen erhöhen, um die Kosten für den Einlagenzins, aber auch den Ertragsrückgang aufgrund der Niedrigstzinsen aufzufangen.

          Dies wäre genau das Gegenteil von dem, was die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik erreichen möchte. Statt über die Ausweitung der Kreditvergabe die Konjunktur zu beleben, würde eine Abwärtsspirale eintreten. Die EZB will das nicht wahrhaben und glaubt, mit einer Verschärfung der Strafzinsen erfolgreich zu sein. An den Märkten und in den Banken wird aber schon längst bezweifelt, dass die ultralockere Geldpolitik noch Wirkung entfalten kann.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

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