https://www.faz.net/-gqe-78f68

Kommentar : Auf Frauenfang

  • -Aktualisiert am

Frauenquote oder nicht, das ist hier die Frage Bild: dpa

Es gibt längst eine Mehrheit für die Frauenquote. Die Wirtschaft steht auf verlorenem Posten. Wieder wird ihr ein Stück (Personal-)Freiheit genommen. Unschuldig ist sie daran nicht.

          1 Min.

          Es gibt nicht mehr viele Themen, mit denen die Opposition die Bundesregierung aus der Ruhe bringen kann. Die Frauenquote gehört dazu. Denn eigentlich sitzt im Bundestag längst eine fraktionsübergreifende Mehrheit, die Unternehmen gern per Gesetz zwänge, einen festen Anteil Aufsichtsratsposten an Frauen zu vergeben.

          Natürlich nur als ersten Schritt, auch die Quotierung der Vorstandsplätze ist schon im Gespräch. Dass sich die deutsche Wirtschaft unter dem Eindruck drohender Gesetzgebung mittlerweile fast verzweifelt bewegt und international auf Frauenfang geht - gerade vermeldet die Deutsche Bank einen erfolgreichen Fischzug -, überzeugt in Berlin nicht mehr.

          Wenn die deutschen Unternehmen trotzdem noch eine Gnadenfrist erhalten, bis sie bei Strafe zur Quote verdonnert werden, ist dies nur der Parteitaktik geschuldet. Die Union will es vor der Bundestagswahl nicht auf den Bruch mit der FDP ankommen lassen, in der zwar ebenfalls mancher mit der Quote liebäugelt. Doch anders als beim Mindestlohn halten hier die Dämme noch.

          Bei diesem staatlichen Eingriff in einen Kernbereich des Unternehmertums möchten die Liberalen nicht helfen. In der Union hatte man gehofft, das Thema mittelfristig mit einem Gesetz beilegen zu können, das nach Quote klingt, aber faktisch nicht viel ändert. Unternehmen sollten sich nach Gutdünken eigene Frauen-Ziele setzen und von Zeit zu Zeit belegen, ob diese erreicht wurden.

          Doch erwies sich Familienministerin Kristina Schröder als zu schwach, um die parteiinternen Anhänger einer festen Quote, allen voran Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, von der „Flexi-Quote“ zu überzeugen. Kein Wunder, dass sich SPD und Grüne Chancen ausrechnen, mit Hilfe schwarz-gelber Abweichler am Donnerstag ihre strafbewehrte Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten (auf Kapital- wie Arbeitnehmerseite) durchzubringen.

          Nun sieht es aber so aus, als habe die Union die Reihen doch geschlossen - mit dem Köder, nach der Wahl ein echtes Quotengesetz auf den Weg zu bringen. Aus dem Zweikampf Schröder/von der Leyen geht die Arbeitsministerin siegreich hervor. Auch die Union hat die feste Quote im Programm. Die Wirtschaft steht auf verlorenem Posten. Wieder wird ihr ein Stück (Personal-)Freiheit genommen, das im harten Wettbewerb um die Kunden entscheidend sein könnte. Unschuldig ist sie daran nicht. Viel zu spät hat sie angefangen, sich ernsthaft um die Frauenfrage zu kümmern.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Reich werden im Casino Video-Seite öffnen

          Macau : Reich werden im Casino

          Macau, einst eine vergessene portugiesische Kolonie, ist jetzt der zweitreichste Ort der Erde und das größte Zockerparadies der Welt. Aber dieser Wohlstand kostet.

          Topmeldungen

          Meint, er werde falsch dargestellt: Claas Relotius.

          Relotius geht gegen Moreno vor : Der Fälscher will richtigstellen

          „Erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“? Der als Fälscher überführte frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius geht juristisch gegen Juan Moreno und dessen Buch „Tausend Zeilen Lüge“ vor. Was will Relotius?
          Wiederverwertung der besonderen Art: Ein Bild angeblich russischer Trolle, das diese schon 2016 während der Präsidentenwahl in Amerika nutzten.

          Desinformation : Die Mission der russischen Trolle

          Nach der Desinformationskampagne im amerikanischen Präsidentenwahlkampf 2016 enttarnt Facebook eine neue Operation aus Russland. Sie zielte vor allem auf Instagram.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.