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Koalitionsverhandlungen : Wirtschaftsweise warnen vor rückwärtsgewandter Politik

  • -Aktualisiert am

Schon vor dem Start der potentiellen großen Koalition gibt es schlechte Noten von den Wirtschaftsweisen: SPD-Vorsitzender Gabriel, Kanzlerin Merkel Bild: dpa

Union und SPD ringen um ihre Positionen - doch was sich jetzt schon abzeichnet, wird von den Wirtschaftsweisen harsch kritisiert. Der Sachverständigenrat lehnt Mindestlöhne, Steuererhöhungen und das EEG ab.

          Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird der Bundesregierung am Mittwoch ein Gutachten mit scharfer Kritik präsentieren. In dem noch unveröffentlichten Jahresgutachten attackieren die fünf Wirtschaftsweisen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) schon im Titel eine „rückwärtsgewandte“ Politik.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Ökonomen befürchten, dass die Reformen der Agenda 2010 zum Teil wieder abwickelt werden. „Künftige Herausforderung werden um ein Vielfaches schwerer zu bewältigen sein, wenn die Reformen der Agenda 2010 verwässert oder in Teilbereichen gänzlich zurückgenommen werden“, heißt es in dem Gutachten mit dem Titel „Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“.

          Rat fordert Moratorium für neue Solar- und Windkraftanlagen

          Die Kritik zielt explizit auch auf die Pläne für einen staatlich gesetzten, flächendeckenden Mindestlohn. Ein solcher müsse abgelehnt werden, heißt es in den Gutachten. Auch die verschiedenen Pläne der Union und der SPD zur Rentenpolitik sieht der Sachverständigenrat sehr kritisch. Ein klares Nein spricht der Sachverständigenrat zu Steuererhöhungen aus. In der Energiewende fordert der Rat der Wirtschaftsweisen eine Abkehr vom Erneuerbaren Energien Gesetz mit seinen hohen Einspeisevergütungen. Für Neuanlagen müsse es ein Moratorium geben. Das hieße, dass neue Solar- oder Windkraftanlagen nicht mehr wie bisher eine Einspeisevergütung weit oberhalb des Börsenpreises für Strom erhielten.

          Berichtsübergabe: Im vergangenen Jahr überreichte der damalige Sachverständigenrats-Vorsitzende Wolfgang Franz den Bericht an Angela Merkel.

          Die Konjunktur sieht der Rat nach F.A.Z.-Informationen im Aufwind, er bleibt jedoch mit seinen Erwartungen leicht unter der Regierungsprognose. Nach 0,4 Prozent Wachstum in diesem Jahr werde sich das Wirtschaftswachstum 2014 auf 1,6 Prozent beschleunigen. Diese Prognose liegt um ein Zehntel unter dem Wert der Regierungsprognose. Die Zahl der Erwerbstätigen werde im kommenden Jahr über 42 Millionen steigen, die Arbeitslosenzahl bei knapp unter 3 Millionen stagnieren. Die Arbeitslosenquote werde leicht von 6,9 auf 6,8 Prozent sinken.

          Das Gutachten wird offiziell am Mittwoch in Berlin an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht. Auch die bisherige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wird anwesend sein. Der noch amtierende Wirtschaftsminister Philipp Rösler lässt sich von seinem Staatssekretär Bernhard Heitzer vertreten.

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