https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/koalitionsverhandlungen-frauenquote-erschreckt-konzerne-nicht-12669590.html

Koalitionsverhandlungen : Frauenquote erschreckt Konzerne nicht

  • -Aktualisiert am

Jeder dritte Aufsichtsrat eine Frau - die deutschen Konzerne dürften kaum über dieses schwarz-rote Vorhaben jammern. Viele haben die Quote längst erfüllt. In den Vorständen sieht das ganz anders aus.

          1 Min.

          Eine Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten: Was die Großkoalitionäre als großen Erfolg und wegweisendes Signal feiern, dürfte die wenigsten Dax-Konzerne in Angst und Schrecken versetzen. Nach dem seit Jahren währenden politischen Gerangel um eine gesetzliche Frauenquote haben  viele Unternehmen ohnehin schon gehandelt. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der dreißig Dax-Unternehmen liegt nach einer aktuellen Erhebung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)  bei knapp 22 Prozent, vor einem Jahr waren es erst  19 Prozent.

          Die Lücke zur  vorgesehenen Quote ist also nicht mehr sehr groß. Und dieses auch deshalb, da die Quote nach den Plänen von Union und SPD erst ab dem Jahr 2016 greifen soll. Für etliche Großunternehmen hätte die Regelung ganz speziell kaum  Folgen, da sie den Zielwert bereits heute übertreffen.

          Spitzenreiter ist nach Angaben der DSW derzeit der Konsumgüterkonzern Henkel mit einem Frauenanteil von knapp 44 Prozent im Aufsichtsrat - und mit der einzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Simone Bagel-Trah. Die Deutsche Telekom ist mit 35 Prozent nicht weit entfernt. Allianz und Beiersdorf kommen jeweils auf einen Frauenanteil von einem Drittel, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa auf 30 Prozent. Allein die Diskussionen über eine gesetzliche Regelung, so berichteten es Headhunter in der Vergangenheit immer wieder, hätten viele Unternehmen dazu veranlasst, gezielt nach qualifizierten Frauen für die obersten  Kontrollgremien Ausschau zu halten.

          Viele Frauen in Vorständen gibt es noch nicht

          Doch es gibt auch  etliche Unternehmen, die dem Zeitgeist nicht folgten und deren Werte heute weit unter dem Durchschnitt liegen. Das gilt allen voran für die Gesundheitskonzerne Fresenius und Fresenius Medical Care, wo keine einzige Frau in den Aufsichtsräten sitzt. Einiges zu tun hätte auch Continental, wo der Anteil 5 Prozent beträgt, Heidelberg-Cement (8,3 Prozent) und der Düngemittelkonzern K+S (12,5 Prozent).

          Deutlich niedriger als in den Aufsichtsräten ist derzeit der Frauenanteil allerdings in den obersten Entscheidungsgremien, den Vorständen der Unternehmen. Nach einer im Juli veröffentlichten Erhebung der Unternehmensberatung Simon-Kucher betrug der  Frauenanteil in den Dax-Vorständen zuletzt 7,4 Prozent  (nach 6,3 Prozent im Vorjahr).

          Was die Berater beobachteten: Nachdem von 2011 auf 2012 noch mehr als ein Viertel der Neu-Vorstände weiblich gewesen seien, habe dieser Anteil zuletzt spürbar abgenommen. Von 2012 auf 2013  waren nur noch drei der 28 Neuberufenen Frauen – ein Anteil von gerade einmal 11 Prozent.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jonathan Gray, 52, ist Präsident der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Die Finanzfirma beteiligt sich in  großem Stil an Unternehmen und Immobilien auf der ganzen Welt.  In Deutschland gehören ihr beispielsweise der Frankfurter  Messeturm und Anteile am Kamerahersteller Leica.

          Großinvestor Blackstone : „Wir setzen auf Lagerhäuser“

          Jonathan Gray ist Präsident von Blackstone, einer der einflussreichsten Finanzfirmen der Welt. Hier spricht er über spannende Anlagechancen, die besten Verhandlungstricks und den Deal seines Lebens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.