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Koalitionsrunde : Hartz IV soll um 5 Euro steigen

  • Aktualisiert am

Geht mit der Forderung von 5 Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger in die Verhandlungen: Ursula von der Leyen Bild: ddp

Die Bundesregierung will die monatlichen Hartz-IV-Zahlungen um 5 Euro auf 364 Euro erhöhen. Die Koalition soll sich auf diesen Vorschlag der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geeinigt haben. Für rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Familien gibt es nicht mehr Geld.

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          Hartz-IV-Empfänger sollen höchstens 5 Euro mehr im Monat bekommen. Nach den Plänen der Bundesregierung wird der Regelsatz von 359 auf bis zu 364 Euro angehoben. Das beschloss eine schwarz-gelbe Spitzenrunde am Sonntag im Kanzleramt auf Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), wie Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichteten. Die Sätze für Kinder will die Koalition vorerst nicht ändern. Tabak und Alkohol sollen aus der Berechnung der Sätze herausfallen, ein Internet-Zugang soll dagegen berücksichtigt werden.

          Eine Anhebung des Regelsatzes von 359 Euro um 5 Euro würde einer Erhöhung um etwa 1,4 Prozent entsprechen und damit nur knapp über der Preissteigerungsrate liegen. Die Inflationsrate lag im August bei einem Prozent. SPD, Grüne, Linke und Sozialverbände reagierten empört und drohten mit Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht.

          Spätestens am 20. Oktober soll die Reform vom Kabinett verabschiedet werden. Anschließend müssen Bundestag und Bundesrat noch darüber entscheiden. Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Neuregelung der Berechnungsmethoden bis zum 1. Januar verlangt, allerdings keine Vorgaben über die Höhe gemacht. Das Gericht hatte im Februar die bisherigen Regelungen als intransparent und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar bemängelt.

          Wegen des Vertrauensschutzes sollen bisherige Werte für Kinder bleiben

          Die schwarz-gelbe Koalition konnte sich am Sonntag nicht auf eine Neuregelung der Zuverdienst-Regeln für Hartz-IV-Empfänger geeinigt. Die Entscheidung sei bis Ende Oktober verschoben worden, hieß es aus Koalitionskreisen in Berlin. Die FDP wollte bessere Zuverdienstmöglichkeiten schon bei den Verhandlungen im Kanzleramt durchsetzen.

          Wie es aus Koalitionskreisen hieß, haben Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergeben, dass die bisher gezahlten Beträge für Kinder zwischen 1 und 12 Euro zu hoch angesetzt sind. Derzeit ist der Kindersatz prozentual vom Regelsatz abgeleitet und nach Altersstufen gestaffelt: Kinder bis 5 Jahre erhalten 215 Euro oder 60 Prozent des vollen Regelsatzes. Für die Altersgruppe von 6 bis 13 Jahren gibt es 251 Euro (70 Prozent), und die 14- bis 18-Jährigen erhalten 287 Euro (80 Prozent).

          Auch wenn die Berechnungen der Statistiker in der jüngsten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe zu niedrigeren Werten geführt hätten, will die Koalition wegen des Vertrauensschutzes an den bisherigen Sätzen festhalten. Die Mehrzahlungen sollen aber dem Vernehmen nach mit künftigen Erhöhungen verrechnet werden. Geplant ist, dass der Bund zur Bildungsförderung der 1,7 Millionen Kinder von Hartz-IV-Empfängern pro Jahr rund 620 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellt.

          Von der Leyen warnte die SPD vor einer Blockade im Bundesrat. „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine klare Sprache. Dagegen kann auch die SPD nicht argumentieren“, sagte sie der „Bild“- Zeitung (Montagsausgabe). Sie könne sich nicht vorstellen, dass die SPD das Bildungspaket mit warmem Mittagessen für bedürftige Kinder, Schulmaterial, Lernförderung und einem Budget etwa für Musik oder den Fußballverein ablehnen werde. „Hartz IV soll das Existenzminimum sichern. Der Grundbedarf ist unantastbar, aber Genussmittel wie Alkohol und Tabak gehören nicht dazu.“

          Kritik von Opposition und Sozialverbänden

          SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, sich vom FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle erpressen zu lassen. Dieser habe im Frühjahr Hartz-IV-Empfänger verhöhnt und könne es deshalb nicht zulassen, dass die Regelsätze deutlich aufgestockt werden. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Die Würde des Menschen ist mehr als fünf Euro wert. Die Klientel bedienen und der sozialen Gerechtigkeit ins Gesicht schlagen, das ist heute Schwarz- Gelb.“ Die Berechnung werde notfalls in Karlsruhe geprüft.

          Der Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst kritisierte, eine Anhebung um fünf Euro „ist mit dem Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum unvereinbar“. Der Paritätische Wohlfahrtsverband sprach von einem „sozialpolitischen Skandal“.

          Eine Mehrheit der Bundesbürger ist gegen eine Erhöhung der Regelsätze. Nach einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ sprechen sich 56 Prozent gegen eine Anhebung aus. 14 Prozent davon sind der Meinung, die Sätze für Hartz-IV-Empfänger sollten gekürzt werden.

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