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Klimaschutz : Gouvernator kämpft gegen Benzinschlucker

  • Aktualisiert am

Arnold Schwarzenegger fährt demonstrativ mit einem Öko-„Hummer” durch Kalifornien Bild:

In Kalifornien gilt Kohlendioxyd als öffentliches Ärgernis - jedenfalls wenn es nach der Regierung geht. Der amerikanische Bundesstaat verklagt deshalb nun die großen Autokonzerne. Schließlich pusten deren Fahrzeuge massenhaft schädliche Abgase in die Luft.

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          In Kalifornien soll es den Spritschluckern an den Kragen gehen: Der amerikanische Bundesstaat verklagt Chrysler und fünf weitere führende Autobauer auf Schadenersatz, weil ihre Fahrzeuge klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen. Die Folgen der Emissionen hätten den amerikanischen Bundesstaat Millionen von Dollar gekostet, sagte der kalifornische Justizminister Bill Lockyer am Mittwoch. Die Klage wende sich auch gegen General Motors, Toyota, Ford und die amerikanischen Ableger von Honda und Nissan. Es sei das erste Verfahren dieser Art.

          Die Aktion paßt wie maßgeschneidert ins PR-Konzept von Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Schon seit geraumer Zeit bemüht er sich als vehementer Fürsprecher des Klimaschutzes, Beliebtheit bei grün gesinnten Wählern zu erlangen.

          CO2 als „öffentliches Ärgernis“

          In der Klage beim amerikanischen Bezirksgericht in Nordkalifornien heißt es, die Auto-Abgase hätten bedeutend zur Erderwärmung beigetragen. So verursachten sie den Klägern zufolge Schäden an den Ressourcen, der Infrastruktur und den Umweltbedingungen des bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaates.

          ...allerdings sind nicht alle Autos in seinem Fuhrpark umweltfreundlich

          Nach kalifornischem und amerikanischem Bundesrecht hätten die Konzerne eine Gefährdung der Öffentlichkeit zu verantworten. Schließlich hätten sie Millionen Fahrzeuge hergestellt, die zusammen massive Mengen Kohlenstoffdioxid ausstießen. Die Autohersteller würden ein „öffentliches Ärgernis“ verursachen, so der kalifornische Justizminister.

          Abgrenzen von George W. Bush

          Erst Ende August hatte Kalifornien dem Ausstoß schädlicher Treibhausgase durch Industriebetriebe wie Kraftwerke und Raffinerien den Kampf angesagt und die in den Vereinigten Staaten schärfsten Kontrollmaßnahmen beschlossen. Schwarzenegger einigte sich mit den Abgeordneten darauf, die Reduzierung gesetzlich festzulegen und den Ausstoß der Schadstoffe bis 2020 um 25 Prozent auf das Niveau von 1990 zu senken. Außerdem plant Kalifornien sich am internationalen Emissionshandel zu beteiligen. Bei einem Treffen zwischen Schwarzenegger und dem britischen Ministerpräsident Tony Blair wurde Anfang August ein Plan dafür aufgestellt.

          Damit grenzte sich Schwarzenegger deutlich von seinem Parteifreund, US-Präsident George W. Bush, ab, der sich geweigert hat, das internationale Protokoll von Kyoto zum Klimaschutz zu unterzeichnen. Im Kyoto-Protokoll haben die Industrieländer zugesagt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2010 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Die EU hat zur Erfüllung ihrer Kyoto-Verpflichtungen schon im Jahr 2005 das Europäische Emissionshandelssystem eingeführt. Neben Kalifornien überlegen seit einiger Zeit auch noch weitere amerikanische Bundesstaaten einen ähnlichen Markt für Verschmutzungsrechte aufzubauen. Auf nationaler Ebene existieren solche Pläne bislang aber nicht.

          Begeisterter Hummer-Fahrer

          Völlig konsequent war Pionier Schwarzenegger in seinem grünen Auftreten allerdings nicht immer. Er war einer der ersten populären Amerikaner, der sich das Spritschlucker-Auto „Hummer“ als Privatfahrzeug zulegte. Der Hummer ist ein Geländefahrzeug und wurde eigentlich für das amerikanische Militär entwickelt. Schwarzenegger gilt als Trendsetter für die private Nutzung des Hummer.

          Daß es ein Fauxpas war, Benzinschlucker zu fahren und sie gleichzeitig zu verteufeln, hat der Gourverneur längst selbst erkannt: Schon im Jahr 2004 beauftragte er General Motors, ihm einen Hummer mit Wasserstoff-Antrieb zu bauen. Der Öko-Hummer wurde damals in den Medien gefeiert. Die Linie stimmte wieder.

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