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Klimaschutz : Der CO2-Ausstoß wird billig

Rauchende Schlote Bild: Prisma Bildagentur

Die Preise für Kohlendioxid-Emissionsrechte haben sich halbiert. Das macht nicht nur die Klimalobby nervös. Einige Stromkonzerne profitieren, Eon ist sauer.

          3 Min.

          Um den europäischen Emissionshandel steht es nicht gut. Das Klimaschutz-Flaggschiff der EU ist, nimmt man den vielstimmigen Chor der Kritiker ernst, schwer angeschlagen. Eon-Chef Johannes Teyssen plädiert für einen Neustart. Grund der Besorgnisse ist der Zusammenbruch der Börsenpreise für CO2-Emissionsrechte. Das sei schlecht für Investitionen in energieeffiziente Technologien.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Verglichen mit dem ersten Quartal 2011 ist der weltweite Kohlendioxidmarkt 2012 um 41 Prozent abgeschmiert, hat die Agentur Bloomberg ausgerechnet, auch wenn die Handelsaktivität zugenommen habe. Doch waren mehr Verkäufer als Käufer unterwegs. Der Preis je Tonne CO2 wurde an der Strombörse EEX im Jahresvergleich auf wenig als 7 Euro halbiert. Guy Turner von Bloomberg Energy Finance erwartet einen weiteren Verfall.

          Preisentwicklung seit Juli 2005
          Preisentwicklung seit Juli 2005 : Bild: F.A.Z.

          Niedrige CO2-Preise helfen Stromerzeugern und der energieintensiven Industrie, jenen Betreibern von 1640 Fabriken und Kraftwerksanlagen, die in Deutschland am Emissionshandel teilnehmen müssen. 450 Millionen Tonnen Kohlendioxid haben sie 2011 emittiert, 1 Prozent weniger als 2010. Stromkonzernen wie RWE und Vattenfall kommt der niedrige CO2-Preis gut zupass. Sie können Braunkohlekraftwerke, für die viele CO2-Zertifikate nötig sind, besser auslasten und billig Strom erzeugen. Eon profitiert davon kaum, weil es so gut wie keine Braunkohle verstromt. Die geforderte Änderung des CO2-Handels würde damit Konkurrenten belasten. Auch die Stahl- und Zementindustrie, zwei energieintensive Branchen, können sich dank niedriger CO2-Preise günstig eindecken, besser im Wettbewerb behaupten und ihre Produktion hochfahren - wie in Deutschland 2011 geschehen.

          Das schafft Arbeitsplätze und hilft den Staatseinnahmen, doch, so klagen Umweltschützer, nicht dem Klima. „Es war noch nie so billig, klimaschädlich zu produzieren“, sagt Ann Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Allerdings muss man bedenken: Durch die billigeren Zertifikate steigen die Emissionen nicht, denn sie sind durch die zugeteilte Menge in der EU gedeckelt.

          Die Rezession ist schuld

          „Offenkundig war das Klimaschutzziel nicht ambitioniert genug“, sagt der Chef des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth. Das meinen viele Umweltgruppen. Sie werfen den Regierungen vor, von Anfang an zu viele Zertifikate großzügig verschenkt zu haben.

          Joachim Ziesing ist einer der vier von der Regierung zur Überwachung der Energiewende berufenen Fachleute. Er sagt: „Maßgeblich für den CO2-Preisverfall war der Wachstumseinbruch 2009.“ Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie, die einer großen Energieabnehmer ist, sieht das ähnlich: „Durch den Einbruch der Wirtschaft 2009 überstieg die Zahl der Zertifikate zwar kurzfristig die Emissionen.“ Insgesamt habe es keinen Überschuss gegeben. Andere Wirtschaftsvertreter weisen darauf hin, dass die Krise außerhalb Deutschlands lange nicht ausgestanden sei. Auch von dort kämen weiter viele Zertifikate an die Börse.

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