https://www.faz.net/-gqe-7x8j3

Klimagipfel : Amerika, China und die EU gegen den Rest der Welt

Die natürlichen Ressourcen schwinden. Bild: dpa

Der Klimagipfel in Lima geht in die entscheidende Woche. Dort soll sich das Schicksal der Weltklimagemeinschaft entscheiden - ein wenig zumindest. Die EU geht dabei mit gutem Beispiel voran, aber wer folgt?

          Die Zukunft des Weltklimas haben die Unterhändler der 196 Nationen schon an unterschiedlichsten Orten verhandelt: in Hotelballsälen, Messehallen, Kongresszentren, sogar im Rund eines Fußballstadions voriges Jahr in Warschau. Doch ein Treffen auf dem Gelände eines Armeehauptquartiers - wie derzeit in der peruanischen Hauptstadt Lima - ist eine Premiere. Hunderte frisch gepflanzte Bäume hüllen die weiße Zeltstadt des Klimagipfels „COP 20“ unter der Dunstglocke der Andenmetropole in ein staubiges Grün.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wo normalerweise Soldaten gedrillt werden, soll sich in den kommenden Tagen das Schicksal des Weltklimas entscheiden - ein wenig zumindest. Denn die Minister wollen in der an diesem Montag beginnenden zweiten Woche der Weltklimakonferenz die Weichen so stellen, dass im nächsten Jahr in Paris ein verbindliches Abkommen mit überprüfbaren Einsparzusagen der Länder beschlossen werden kann.

          Aus Deutschland sind Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CDU) voll guten Mutes auf dem Weg. Aus Amerika hat sich Außenminister Kelly John Kerry angesagt. Normalerweise schicken die Amerikaner nur ihren Chef-Klimabeauftragten Todd Stern. Dass nun Kerry kommen will, soll das Engagement Washingtons unterstreichen.

          Die großen CO2-Produzenten zeigen Engagement

          Im November hatten Amerikaner und Chinesen, die zusammen die Hälfte der Kohlendioxidemissionen der Welt verantworten, in Peking konkrete Versprechungen gemacht. Die Amerikaner wollen ihren Ausstoß an CO2 bis 2025 um bis zu 28 Prozent gegenüber 2005 verringern, die Chinesen spätestens ab 2030 ihre Emissionen nicht mehr steigern. Das ist zwar weit weniger, als die EU tut, die ihre Emissionen seit 1990 faktisch reduziert, setzt andere Schwellen- und Entwicklungsländer aber unter Druck. Zum Beispiel den zehntgrößten Verschmutzer der Welt, Brasilien. Die Regierung in Brasília erarbeitet ein landesweites CO2-Ziel.

          In Lima, der Hauptstadt Perus, findet derzeit die 20. Weltklimakonferenz statt

          Ob sich viele andere Schwellenländer dem anschließen werden, ist allerdings ungewiss. Indien zum Beispiel, nach China und Amerika der drittgrößte Kohlendioxidemittent und ein einflussreicher Gesprächspartner auf den Klimagipfeln, bleibt abwartend bis ablehnend. „Wir müssen wachsen und deshalb müssen auch unsere Emissionen wachsen“, sagte Umweltminister Prakasch Javadekar vor seiner Abreise nach Lima. Man sei nicht bereit, über eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen zu verhandeln. Das sei Sache der Industriestaaten.

          Wohl sei Indien bereit, darüber zu reden, wie es seine regenerative Energieerzeugung ausbauen könne. Je Kopf der Bevölkerung verbraucht Indien mit 1,6 Tonnen CO2 im Jahr nur ein Viertel dessen, was China ausstößt, und weniger als ein Zehntel dessen, was Nordamerika verbraucht. Mit Blick auf diese Zahlen sagte Javadekar, das - im Westen hochgelobte - Engagement Chinas sei in Wahrheit geringer, als es scheine. Ob die neue indische Regierung nun tatsächlich kompromissbereiter sein wird als die bisherige, wie auch die Bundesregierung hofft, wird sich zeigen.

          Mehr „Anpassung und Finanzierung als Minderung“

          Auch an anderen Stellen der Verhandlungen gab es Licht und Schatten. So kündigte das ölreiche Norwegen an, seinen Beitrag zur Finanzierung des Grünen Klimafonds aufzustocken. Damit gibt es für den Fonds nun Zusagen von 9,95 Milliarden Dollar, womit die erhoffte Marke von 10 Milliarden Dollar in Reichweite ist; Deutschland hat eine Milliarde Dollar zugesagt. Der Fonds soll in Schwellen- und Entwicklungsländern Klimaschutzprojekte und Maßnahmen zur Anpassung an die Erderwärmung finanzieren. Damit soll den armen Ländern die Zustimmung zu Einsparzielen erleichtert werden.

          Norwegens Umweltministerin Tine Sundtoft rief andere Staaten auf, sich an dem Fonds zu beteiligen. Russland zum Beispiel hat nicht eingezahlt, auch andere ölreiche Staaten des Mittleren Ostens nicht. Auch Australien, das gut vom Kohleexport lebt, will sich als einziges der westlichen Industrieländer daran nicht beteiligen, wie Außenministerin Julie Bishop zum Unmut der in Lima versammelten Organisationen der Zivilgesellschaft ankündigte. Sie verliehen Australien umgehend den Schmähtitel „Fossil des Tages“.

          Nachdem es in der vergangenen Woche auf dem Klimagipfel auch um das Überprüfen des bisher Erreichten gegangen war, wird die Arbeit an Dokumenten und Texten zur Vorbereitung auf das „Paris-Protokoll“ in den nächsten Tagen der Schwerpunkt der Debatten sein. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie der weitere Anstieg der Erderwärmung nach 2020 - dann soll das Abkommen in Kraft treten - verhindert und auf höchstens zwei Grad begrenzt werden kann.

          Das Abkommen soll für alle Staaten gelten. Beinhalten soll es unter anderem Regeln zur Emissionsminderung und zur Anpassung an klimabedingte Entwicklungen. Das sind Mammutaufgaben. Während die Industriestaaten konkrete Emissionsminderungen von allen erwarten, setzten die Entwicklungsländer „mehr auf Anpassung und Finanzierung als Minderung“, hieß es in westlichen Delegationskreisen. Das dürfte denn auch ein wesentlicher Knackpunkt der Verhandlungen werden.

          Weitere Themen

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.