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Kinderbetreuung : Kita ist auch kein Vergnügen

Der Bedarf dafür ist schon geschaffen: In jedem Bundesland gibt es Bildungspläne, die mal mehr, mal weniger gut umgesetzt sind. Danach müssen die Erzieher jedes Kind individuell analysieren und fördern. Es gilt, Bildungssituationen zu erkennen, wo das ungeübte Auge nur einen lästigen Wickelvorgang sieht. Doch auch beim intimen Moment des Windelwechselns kann die Sprachentwicklung gefördert werden, meint Bildungsforscher Haderlein. Zweimal im Jahr können Eltern Entwicklungsgespräche mit den Erziehern führen, es geht um Motorik, Sprache, gar um Grundverständnis in Mathematik und den Naturwissenschaften.

Kindheitspädagogen: Vollbeschäftigung

Die Gelegenheit für die Akademisierung eines ganzen Berufsstandes sind so günstig wie selten. Denn in den Kitas wird wegen des raschen Ausbaus für die Kinder unter drei Jahren händeringend Personal gesucht. „Kitas sind einer der dynamischsten Jobmotoren in Deutschland“, heißt es im „Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014“. Inzwischen arbeiten mehr als 520000 pädagogische Fachkräfte in den Einrichtungen, noch nie wurden so viel Nachwuchskräfte ausgebildet wie heute.

Zunächst wurde befürchtet, dass der hohe Bedarf zu einem dramatischen Einbruch in der Qualität der Betreuung führt. Diesen Effekt mag es kurzfristig geben. Langfristig ist aber das Gegenteil wahrscheinlich. Selten hat ein neu geschaffener Beruf so einfach in einem etablierten Feld Fuß gefasst wie der des Kindheitspädagogen, zeigen Analysen der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Wiff). Vom Studium direkt in die Arbeitslosigkeit? Allenfalls ein Randphänomen.

Ab Montag wird gestreikt: Wie arbeitet aber eigentlich in der Kita?

Skepsis über all das wird allenfalls verhalten geäußert. Bisher haben die rund 3000 Absolventen auch eher Nischen besetzt. Und rund 90 Prozent der Kita-Leiter bevorzugen den Wiff-Analysen zufolge noch immer die klassische Erzieher-Ausbildung, schließlich habe die sich bewährt. Außerdem gibt es einen nicht zu unterschätzenden Schönheitsfehler: Mehr als die Hälfte der befragten Kindheitspädagogen nennt nicht die Kita als bevorzugten Einsatzort. Wegen der hohen Nachfrage landen sie allerdings meist doch da. Wie lange, weiß bisher keiner.

Die GEW hat ein ehrgeiziges Ziel: „Die akademische Fachkraft soll die Regel sein“, fordert Bernhard Eibeck, Referent für Jugendhilfe. Die Gewerkschaft strebt längerfristig einen Akademisierungsgrad von 75 Prozent an. Sie träumt von einem ähnlichen Wandel, wie ihn der Beruf des Grundschullehrers vor vierzig Jahren durchgemacht hat, schließlich seien die Anforderungen ähnlich, findet Eibeck. Voraussetzung war damals nur die mittlere Reife und eine Fachschulausbildung. Heute werden Grundschullehrer ebenso an den Universitäten ausgebildet wie die Pädagogen der weiterführenden Schulen.

Im Monat vierstelliger Betrag für die Betreuung

Den Kommunen dürfte die Vorstellung ein Graus sein: Im Moment liegt der Akademisierungsgrad des Kita-Personals bei gerade einmal 5 Prozent, und schon jetzt stöhnen die Gemeinden unter der Last der Kosten. Natürlich nicht lautstark, denn wer möchte in diesen Zeiten schon mit dem Ruf nach weniger Qualifikation unangenehm auffallen? In dem Tarifkonflikt wird deshalb diese Frage von den Arbeitgebern sorgsam ausgespart, ebenso die Frage, ob nicht vielleicht auch die Eltern stärker zur Kasse gebeten werden und den Preis der Akademisierung selbst tragen sollten.

Schon jetzt gleicht die Kita-Finanzierung einem unübersichtlichen Gestrüpp aus staatlicher Subvention und Gebühren, die von Kommune zu Kommune variieren. In Nordrhein-Westfalen etwa zahlen Eltern bis zu 460 Euro im Monat, in Rheinland-Pfalz dagegen nichts. Außerdem passt es in Deutschland schlicht nicht in den Zeitgeist, seine Bürger für Bildung zahlen zu lassen.

Vor Jahren scheiterte der Versuch kläglich, die Studenten an den Kosten des teuren Hochschulstudiums zu beteiligen. In den Kindertagesstätten sind Gebühren zwar immerhin etabliert, aber sie spiegeln nicht ansatzweise die tatsächlichen Kosten wider, obwohl private Kindertagesstätten mit qualitativ hochwertigem, meist bilingualem Angebot gefragt sind. Die monatlichen Gebühren können in den privaten Luxuskrippen schnell einen vierstelligen Betrag erreichen.

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