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Kirchenvermögen : Kölner Dom ist 1 Euro wert

Es gibt verschiedene Haushalte: Bischöflicher Stuhl, Bistum und Domkapitel

Für die gewaltigen Unterschiede zwischen den Milliarden-Schätzungen Frerks und den veröffentlichten Millionen-Vermögen der Bistümer gibt es verschiedene Gründe. So sickert dieser Tage die Erkenntnis durch, dass viele Bistümer nicht nur einen öffentlichen Verwaltungs- und den bis dato vertraulichen Vermögenshaushalt „Bischöflicher Stuhl“ führen. Vielmehr gibt es in vielen Diözesen zwei weitere große Kassen: den Vermögenshaushalt des Bistums und den Vermögenshaushalt des Domkapitels. Auf Nachfrage gibt das Erzbistum Hamburg zu, dass die bekanntgegebenen 35 Millionen Euro des Erzbischöflichen Stuhls nur einen Teil des Gesamtvermögens ausmachten. So gebe es noch Rücklagen der Körperschaft Erzdiözese Hamburg von 156 Millionen Euro und Rücklagen des Erzbischöflichen Amts Schwerin von 5,5 Millionen Euro. Macht zusammen knapp 200 Millionen Euro. Auch das ist nach Aussage eines Sprechers allerdings „nicht die endgültige Zahl“.

Ein weiterer Grund für die vermeintlich geringen Kirchenvermögen liegt in der Bilanzierungsmethode. Die Diözesen gehen nach Handelsgesetzbuch vor, nicht nach der internationalen Rechnungslegung IFRS. Das hat den Vorteil, dass beträchtliche Vermögensteile nicht mit ihrem Verkehrswert ausgewiesen werden und die Summen in den Büchern oft nur Bruchteile der tatsächlichen Werte wiedergeben. Schenkungen und Erbschaften etwa können mit dem Anschaffungspreis (null oder ein Euro) eingespeist werden. Immobilien werden über die Jahre abgeschrieben, bis sie buchhalterisch nichts mehr wert sind. Auch größere Beteiligungen dürfen mit mickrigen Werten eingestellt werden.

Ein Beispiel dafür liefert das Erzbistum Köln, das nach eigenen Angaben eine Beteiligung im Wert von 15,4 Millionen Euro an der Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft hat. Die Summe entspricht dem Anteil am Stammkapital. Tatsächlich aber besitzt die Baugesellschaft Eingeweihten zufolge mindestens 10.000 Wohnungen. Setzt man jede Wohnung mit 100.000 Euro an, resultiert daraus ein Vermögen von einer Milliarde Euro. Statt der (buchhalterisch korrekt) angegebenen 15,4 Millionen Euro wäre der 41-Prozent-Anteil des Kölner Erzbischofs tatsächlich mehr als 400 Millionen Euro wert.

„Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel.“ - Matthäus 6, 19

 

Selbst für Experten ist es schwierig, das Vermögen der Kirchen zu berechnen. Wie etwa soll man den Wert des Kölner Doms ermitteln? Theoretisch, erklärt ein Wirtschaftsprüfer eines renommierten Unternehmens, wären drei Methoden denkbar. Das Wiederherstellungskonzept etwa fragt, was es kosten würde, den Kölner Dom noch mal zu bauen. „Der Dom und seine Geschichte sind aber einzigartig“, so der Prüfer.

Möglich wäre auch zu ermitteln, was in der jüngeren Vergangenheit für einen vergleichbaren Dom gezahlt wurde und das als Wert in die Bilanz einzutragen. „So einen Verkauf wird es aber nie geben.“

Auch die dritte Möglichkeit, das Ertragswertverfahren, scheitere. Den Wert eines Supermarktes etwa könne man mit der 14-fachen Jahresmiete ansetzen. „Außer ein paar Münzen im Klingelbeutel wirft der Kölner Dom aber nichts ab; im Gegenteil: Der Erhalt ist irrsinnig teuer.“ Die Empfehlung des Prüfers: den Dom mit einem Euro einstellen, fertig.

Die Kirchen sind zum gleichen Ergebnis gekommen. Der St. Marien-Dom in Hamburg etwa steht mit nur einem Euro in den Büchern. Mit dem gleichen Betrag werden sämtliche Kirchen in der Diözese Köln eingepreist. Der Kölner Dom ist noch nicht geschätzt, weil die Verwaltung ihr altes kameralistisches Zahlenwerk gerade erst auf eine moderne Buchführung umstellt. „Wenn das geschehen ist“, sagt Dompropst Norbert Feldhoff, „wird er vermutlich auch mit einem Euro bewertet.“

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