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KFZ-Gewerbe : 420.000 Autoverkäufe mit der Abwrackprämie

  • -Aktualisiert am

Die letzten Momente im Leben eines Autos Bild: ddp

Die Abwrackprämie beschert der gebeutelten Autobranche eine unerwartet starke Sonderkonjunktur. Gut 420.000 Kaufverträge basieren laut einer Umfrage bislang auf der Prämie. Aus Furcht vor einem plötzlichen Ende des Prämien-Booms fordert die Branche nun einen Nachschlag.

          Die staatliche Abwrackprämie hat Autohändlern und Herstellern schon in den ersten zwei Monaten seit der Einführung eine unerwartet starke Sonderkonjunktur verschafft. Gut 420.000 Kaufverträge, die auf der Prämie basieren, sorgen zumindest vorübergehend für gute Stimmung bei den ansonsten stark unter Druck stehenden Händlern, die Verluste schreiben und Arbeitsplätze abbauen. Die Zahl der Kaufverträge basiert auf einer Umfrage des Autohändlerverbands ZDK unter den Herstellern.

          Verbandspräsident Rober Rademacher warnt allerdings schon vor einem Ende des Prämien-Booms und will einen Nachschlag fordern. „Die Zahlen lassen keinen anderen Schluss zu, als „dass der Fördertopf weit vor demgesetzten Termin leer sein wird.“ Dies sei der Anlass, den Bundeswirtschaftsminister zu bitten, seine Position zur Deckelung des Prämientopfes aufzugeben. „Wir werden - übrigens gemeinsam mit ADAC, VDIK und VDA - diese Position in Berlin vertreten“, sagte Rademacher. Die Bundesregierung hatte für die Zeit bis zum Jahresende 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Das würde für 600.000 Autos genügen. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Rademacher: „Ideal wäre es, wenn einfach alle Anträge auf Abwrackprämie, die bis zum Jahresende eingehen, berücksichtigt werden.“

          Premiumhersteller haben nichts von der Abwrackprämie

          Unterdessen zeigt sich, dass die Prämie nicht der ganzen Branche gleichermaßen nützt. Während sie den Absatz der Händler sowie der Hersteller kleiner, preiswerter Autos kräftig in die Höhe treibt, kommt sie bei den deutschen Premiumherstellern nicht an. Das zeigt eine Auswertung des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Demnach stieg die Zahl der Autozulassungen von Privatkunden durch die Prämie im Februar um 75.300 Autos, während Audi, BMW, Mercedes und Porsche im Jahresvergleich 5.540 Fahrzeuge weniger an Privatkunden verkauften.

          Bei einigen Herstellern von Kleinwagen kam es dagegen sogar zu Engpässen durch die Zusatznachfrage. Die Renault-Tochter Dacia in Rumänien fuhr eine bis vor kurzem stillstehende Fabrik wieder an. Sonderschichten wurden bei Opel in Eisenach, bei Ford in Köln und bei Fiat in Polen gefahren. Nach einer Schätzung des Bankhauses Metzler wird die Abwrackprämie insgesamt für 400.000 Neuwagenverkäufe und 200.000 Jahreswagenverkäufe sorgen. Davon dürften allein 35 Prozent dem Massenhersteller Volkswagen zugute kommen. Weitere starke Profiteure sind PSA Peugeot, Renault und Fiat.

          Die Mehrheit der Autohäuser machte im vergangenen Jahr Verluste

          In der Statistik des für die Prämie zuständigen Bundesamts für Wirtschaft (Bafa) schlägt sich der Boom noch nicht voll nieder. Dort sind erst 217.690 Anträge eingegangen. Der Grund: Die Antragsteller müssen bisher zusammen mit dem Kaufvertrag sofort den Zulassungs- und den Verschrottungsnachweis vorlegen. Ab April genügt jedoch dank einer Novelle der Ausführungsverordnung der Kaufvertrag, um eine Anwartschaft auf die Prämie zu erhalten. Die übrigen Dokumente können nachgeliefert werden.

          Bei den Autohändlern kann die Prämie das insgesamt düstere Bild nur leicht und auch nur vorübergehend aufhellen. Der Gesamtumsatz mit dem Verkauf 9,2 Millionen neuer und gebrauchter Autos sowie mit 72,5 Millionen Serviceaufträgen hielt sich im vergangenen Jahr knapp stabil bei 130 Milliarden Euro. Im Jahr 2009 erwartet der ZDK nun dank Abwrackprämie Verkäufe von „gut 3 Millionen“ neuen Autos - statt der bisher prognostizierten 2,8 Millionen.

          Da jedoch zugleich die Rentabilität einen Tiefpunkt erreichte, stellten fast 700 Autohändler ihren Betrieb ein, so dass gut 39.000 übrig blieben. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der Arbeitsplätze um 6000 auf 460.000. Wegen eines abermaligen Rückgangs der Umsatzrendite erzielt die Mehrheit der Autohäuser Verluste; das gleiche gilt erstmals auch im Branchenschnitt: Die Verlustmarge liegt bei etwa 0,3 bis 0,4 Prozent.

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