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Förderbank KfW : Eine Staatsbank für alles und jeden

  • -Aktualisiert am

Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW Bild: dpa

Durch die jüngste Banken- und Finanzmarktkrise hat die KfW enorm an Selbstbewusstsein gewonnen. Bringt die Finanzaufsicht nun den Mut auf, die Förderbank etwas weg von der Politik zu führen?

          3 Min.

          Die staatliche Förderbank KfW startet eine kleine Revolution in der deutschen Bankenwelt, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Alle Postbank-Kunden, die mit ihrem Berater über einen Kredit zum Beispiel für eine Wohnungssanierung verhandeln, sollen in der Filiale innerhalb weniger Minuten auch eine Auskunft bekommen, ob die KfW ebenfalls eine Darlehenszusage gibt. Sparkassen, Volksbanken und weitere Geschäftsbanken sollen danach mit demselben Online-Zugang ausgestattet werden. Jetzt schon können die Kunden den Gesprächstermin mit ihrem Bankberater über die Homepage der KfW vereinbaren.

          Die dazu nötige Umstellung der IT-Systeme haben die Geschäftsbanken selbst bezahlt – auf sanften Druck hin, aber ohne jegliches Gejammer. Früher musste die KfW dankbar sein, wenn der Berater die Kreditangebote der staatlichen Förderbank im Kundengespräch gnädig erwähnte, heute sorgen sich die Geschäftsbanken eher, dass der KfW-Anteil an einem Kreditpaket zu klein ausfallen könnte. Weil Kredite mit immer mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen, ist es für die Geschäftsbanken attraktiv, größere Tranchen von der Förderbank einzubauen. Für Exportkredite machen es ausländische Banken sogar teils zur Auflage, dass die KfW mit an Bord ist. Und immer mehr Banken bauen Mitarbeiterteams auf, die dem Kreditsachbearbeiter zurufen, welche staatlich geförderten Darlehen er beachten soll.

          Die KfW hat durch die jüngste Banken- und Finanzmarktkrise enorm an Selbstbewusstsein gewonnen. Und das, obwohl sie zu Beginn selbst kräftig Federn lassen musste beim Beinahe-Untergang des Düsseldorfer Mittelstandsfinanzierers IKB, an dem sie die Mehrheit hielt. Doch in Zeiten, in denen das Vertrauen in die Bankenwelt insgesamt schwindet, genießt eine staatliche Förderbank, die eine Bonitätsbestnote und eine Historie von 65 Jahren vorweisen kann, an den Kapitalmärkten einen besonders guten Ruf. Kein anderes Institut kann sich so günstig frisches Geld besorgen wie die KfW; keine andere Bank kann solch langfristige zinsvergünstigte Darlehen ausreichen.

          Das Leitbild der Subsidiarität

          Und das hat die Förderbank in vielfältiger Weise genutzt. Sie hat ihre jährliche Kreditsumme auf zeitweise mehr als 80 Milliarden Euro erhöht und pendelt sich jetzt bei einer jährlichen Darlehensvergabe von gut 70 Milliarden Euro ein. Sie hat ihren Zinsvorteil für Milliardengewinne genutzt, und weil sie zudem auch ihre Risikosteuerung deutlich verbessert hat, kann die KfW nun von einem jährlichen Ertragspotential zwischen 1 und 1,2 Milliarden Euro reden. Sie bietet politisch gewollte Kredite an, etwa für den Bau von Meereswindparks, von denen viele Geschäftsbanken lieber die Finger lassen, und lässt sich dieses Risiko fast vollständig vom Staat absichern. Und sie will die Gunst der Stunde nutzen, mit Hilfe des Internets auch beim Verbraucher zu einer festen Adresse zu werden. KfW-Filialen und Direktkredite wird es zwar auch künftig nicht geben, und die Bank strebt nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schröder auch kein weiteres Wachstum als Selbstzweck an. Aber deutlich spürbar ist, dass die KfW nie mehr in das frühere Schattendasein zurückkehren will.

          Die Bundesregierung braucht ihre Staatsbank auch, um die Energiewende voranzutreiben. Ohne staatliche Zinsverbilligung würden viele Bürger ihre Wände nicht neu dämmen und ihr Dach nicht mit Solarzellen bestücken; ohne KfW-Beteiligung würden viele Windparks an Land nicht gebaut – und auf See schon gar nicht. Den Mittelstandskredit übernehmen zwar verstärkt wieder die Geschäftsbanken, aber für den energieeffizienten Umbau des Betriebs steht die KfW natürlich bereit – demnächst sogar für solche Mittelständler, die man als Großkonzerne bezeichnen könnte. Die KfW-Spitze muss aufpassen, dass die Regierung ihr nicht noch mehr Aufgaben zuweist. So soll die Bank laut Koalitionsvertrag den Ausbau des Breitbandnetzes fördern. Das könnte bedeuten, dass die staatliche Förderbank an die Telekom (an der KfW und der Bund mit knapp 32 Prozent beteiligt sind) einen Milliardenkredit vergeben soll, damit die Telekom das Netz in ländliche Gegenden bringt.

          Die Staatsbank unterstützt die Pläne der Regierung für die Energiewende, wo sie nur kann. Als hundertprozentige Gesellschaft des Bundes und der Länder ist sie Erfüllungsgehilfe des Bundes und äußert sich öffentlich nicht kritisch über die Ausgestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Aber der Vorstand ist gut beraten, sein Leitbild der Subsidiarität – die KfW soll nur dort aktiv sein, wo es die Geschäftsbanken nicht sind – auch auf dem Feld der Energiewende hochzuhalten. Nicht alles, was die Politik dem Bürger aufdrängen will, muss die Förderbank finanzieren.

          Vielleicht bringt wenigstens die Aufsichtsbehörde Bafin den Mut auf, die KfW ein wenig weg von der Politik zu führen. Künftig sollen die Verwaltungsratsmitglieder der Staatsbank ihre Befähigung für ein solches Amt nachweisen. 37 Mitglieder, darunter viele aus der Politik, hat das Gremium derzeit. Mal sehen, ob die Bafin sie alle für fähig hält, die drittgrößte Bank Deutschlands zu kontrollieren.

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