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Kampf gegen illegalen Handel : Kenia will über 100 Tonnen Elfenbein verbrennen

  • Aktualisiert am

Ein Ranger stapelt die Stoßzähne in Nairobi. Bild: dpa

Im Kampf gegen die Wilderei möchte Kenia einen gewaltigen Vorrat an beschlagnahmtem Elfenbein verbrennen. Es soll die größte je auf einmal vernichtete Menge an Stoßzähnen sein. Nicht jeder hält das für eine gute Idee.

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          In Kenia soll am kommenden Samstag eine große Menge Elfenbein verbrannt werden - 105 Tonnen aus den Stoßzähnen von 8000 Elefanten. Zudem sollen 1,35 Tonnen Rhino-Horn in Flammen aufgehen. Geschätzter Schwarzmarktwert insgesamt: mehr als 100 Millionen Dollar. Es handelt sich um die größte Menge an Elfenbein und Rhino-Horn, die jemals auf einen Schlag zerstört wurde. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg entspricht die Menge rund 5 Prozent des Elfenbeins auf der Welt.

          Zehn große Stapel sollen am Samstag in Flammen aufgehen.
          Zehn große Stapel sollen am Samstag in Flammen aufgehen. : Bild: AFP

          Der Akt soll nicht nur die Aufmerksamkeit auf die bedrohten Tiere lenken, sondern vor allem Wilderer abschrecken. Kenia kämpft für ein weltweites Handelsverbot und möchte mit der Aktion seine Entschlossenheit demonstrieren. Es wird die vierte große Elfenbein-Verbrennung in Kenia: Bei der ersten im Jahr 1989 wurden 13 Tonnen verbrannt, 2009 und 2015 nochmals insgesamt 20 Tonnen.

          7 Tonnen Elfenbein für die Forschung

          Der Chef der kenianischen Naturschutzbehörde sagte, das Land werde seine Lagerbestände, die sich über Jahrzehnte angesammelt hätten, mit der Verbrennung stark reduzieren. Nach der Aktion blieben nur noch 32 Tonnen Stoßzähne übrig. 7 Tonnen davon sind für die Forschung vorgesehen, die restlichen 25 Tonnen sind noch Beweismittel in laufenden Verfahren.

          Hier wird gerade ein Container entladen.
          Hier wird gerade ein Container entladen. : Bild: AFP

          Heute leben in Afrika noch rund 450.000 Elefanten. Die Umweltstiftung WWF schätzt, dass es in den 1930er und 40er Jahren noch zwischen 3 und 5 Millionen Tiere waren. Derzeit werden jedes Jahr rund 30.000 Afrikanische Elefanten getötet, also etwa 82 pro Tag - oder ein Elefant alle 20 Minuten.

          Nachdem Elefanten in einigen Regionen fast ausgerottet wurden, nimmt die Wilderei nach Angaben des WWF mittlerweile auch in bisher als sicher geltenden Nationalparks zu - etwa im Kruger Nationalpark in Südafrika, im Ruaha-Nationalpark in Tansania, und dem Chewore-Gebiet in Simbabwe. Besonders dramatisch sei die Situation in Zentralafrika, sagt der WWF, hier sei der Bestand seit 2002 um mehr als 60 Prozent geschrumpft

          Ein Soldat bewacht das Elfenbein
          Ein Soldat bewacht das Elfenbein : Bild: AFP

          In Kenia selbst ist die Wilderei allerdings stark zurückgegangen. Dort leben inzwischen wieder rund 38.000 Elefanten, mehr als doppelt so viele, wie vor fast 30 Jahren, als 16.000 Elefanten gezählt wurden. In den 80er Jahren hatte die Regierung der Wilderei den Kampf angesagt. Auch der WWF sieht die Entwicklung in Ostafrika positiv, zuletzt sei die Wilderei dort vier Jahre in Folge zurückgegangen.

          Während der WWF die Verbrennungsaktion als „wichtiges Signal für den Schutz der Elefanten“ begrüßt, melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. Der kenianische Umweltschützer Mike Norton-Griffiths fürchtet, dass nach der Vernichtung des Elfenbeins die Preise für Stoßzähne auf den Schwarzmärkten eher steigen und damit die illegale Wilderei noch lukrativer wird: „Kenia mach einen Fehler“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview. Anstatt so große Mengen Elfenbein einfach zu vernichten, wäre es besser, wenn sich die afrikanischen Saaten mit den Behörden in den Herkunftsländern der Käufer zusammensetzen würden, um den Handel zu regulieren. Besser als ein vollständiges Verbot, sei ein kontrollierter Handel.

          Den Handel effektiv zu kontrollieren hält wiederum die kenianische Umweltorganisation Wildlife Direct angesichts der Korruption in vielen afrikanischen Ländern für illusorisch.

          Kenia : Spürhunde gegen Elfenbeinschmuggler

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