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Keine Drosselung der Anleihekäufe : Fed setzt extrem lockere Geldpolitik fort

Fed-Chef Ben Bernanke Bild: REUTERS

Die amerikanische Notenbank bleibt ihrer Politik des ultrabilligen Geldes vorerst treu. Die milliardenschweren Anleihekäufe werden vorerst unvermindert fortgesetzt. Damit bleibt der von Experten erwartete Kurswechsel in der Geldpolitik zunächst aus.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve behält zur Überraschung vieler Beobachter an den Finanzmärkten ihre Anleihekäufe im bisherigen Volumen von 85 Milliarden Dollar im Monat vorerst bei. „Es handelt sich um eine vorsorgliche Entscheidung, wenn Sie so wollen“, sagte der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke vor Journalisten in Washington. Bernanke schloss nicht aus, dass die Fed noch vor Jahresende die Anleihekäufe verringern werde, machte dies aber abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Die Anleihekäufe folgten keinem festgelegten Kurs, heißt es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. Die Fed behielt zugleich den Leitzins nahe Null Prozent bei und sicherte abermals zu, diesen frühestens dann anzuheben, wenn die Arbeitslosenquote auf mindestens 6,5 Prozent gesunken sei. Mit 7,3 Prozent verharre die Arbeitslosenquote weit höher als akzeptabel sei, sagte Bernanke.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Entscheidung der Fed gab den Aktienmärkten deutlich Auftrieb. Der Dow-Jones-Index und der S&P-500-Index schlossen gut 1 Prozent im Plus auf Rekordhochs von 15676 beziehungsweise 1725 Punkten. Der Dollar verlor gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner. Der Euro wurde nach der Entscheidung rund 1,2 Prozent stärker um 1,352 Dollar gehandelt. Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rutschte zeitweise auf weniger als 2,7 Prozent.

          Fed verwies auf verschärfte finanzielle Bedingungen

          Der Offenmarktauschuss schreckte vor der Verringerung der Anleihekäufe schon jetzt zurück, weil die Wirtschaft sich zuletzt nicht so gut entwickelt hatte wie erwartet. Man wolle mehr Hinweise abwarten, dass die Fortschritte in der wirtschaftlichen Erholung dauerhaft seien, bevor man das Tempo der Anleihekäufe anpasse, erklärte der Ausschuss. Die Fed verwies auf verschärfte finanzielle Bedingungen, die, wenn sie andauerten, die Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes belasten würden. Hinter der sperrigen Formulierung verbergen sich Sorgen darüber, ob die seit Mai gestiegenen Langfristzinsen die Erholung am Hausmarkt dauerhaft beeinträchtigen. Bernanke betonte, dass die höheren Zinsen zum Teil auch in besseren wirtschaftlichen Aussichten gründeten.

          Als Risiko hob er ferner die fiskalischen Einsparungen und den Streit zwischen Demokraten und Republikanern über die notwendige Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze und über den Haushalt für das nächste Jahr hervor. Eskaliert dieser Konflikt, drohen in den kommenden Wochen im Extremfall Schließungen von Bundesbehörden und eine zeitweise Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten. Mehr Aufmerksamkeit findet im Offenmarktausschuss auch die sehr niedrige Inflation. Ausdrücklich betont die amerikanische Notenbank, dass eine Inflationsrate, die dauerhaft unter 2 Prozent liege, die Wirtschaft belaste.

          Janet Yellen

          Der Ausschuss vermied jeden Eindruck, dass eine schnelle Straffung der Geldpolitik zu erwarten sei. 12 der 17 Mitglieder des Ausschusses erwarten eine erste Zinsanhebung erst 2015, zwei erst 2016. Dabei hat der Ausschuss seine Wachstumsaussichten leicht zurückgenommen. Für das kommende Jahr erwartet die Fed eine Wachstumsrate von 2,9 bis 3,1 Prozent. 2015 soll sie sich auf 3 bis 3,5 Prozent verstärken, im Jahr darauf 2,5 bis 3,3 Prozent betragen. Die Arbeitslosenquote soll am Jahresende 2016 mit 5,4 bis 6 Prozent niedriger als die inflationsneutrale Quote liegen. Dennoch sehen die Geldpolitiker den Zinssatz dann immer noch im Durchschnitt bei nur 2 Prozent.

          Gegenstimme der Präsidentin der regionalen Fed

          Die Entscheidung fiel mit der Gegenstimme der Präsidentin der regionalen Federal Reserve Bank von Kansas City, Esther George. Sie warnte abermals vor künftigen wirtschaftlichen und finanziellen Ungleichgewichten als Folge der lockeren Geldpolitik.

          Von Bernanke wird erwartet, dass er sich mit Ende seines Vertrags als Vorsitzender im Januar zurückzieht. Er lehnte es auch am Mittwoch ab, über seine persönlichen Pläne zu sprechen. Als Favoritin für seine Nachfolge gilt die stellvertretende Vorsitzende der Notenbank, Janet Yellen. Der Harvard-Ökonom und Obama-Berater Lawrence Summers, dem gute Chancen nachgesagt worden waren, hatte sich erst am Wochenende aus der Konkurrenz genommen.

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