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Kein echter Eröffnungstermin : Stillstand am Berliner Flughafen

Über das Debakel rund um den Berliner Hauptstadtflughafen kann die Öffentlichkeit nur noch den Kopf schütteln. Mancher empfiehlt schon, wenn sich die Technik nicht anpassen lasse, das BER-Terminal abzureißen und ein neues zu bauen.

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          Ein letztes Mal ist der scheidende brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck am Freitag als Oberaufseher des Berliner Möchtegern-Flughafens aufgetreten, ohne einen echten Eröffnungstermin verkünden zu können. Platzeck war anzusehen, dass er sich nicht ungern aus der Verantwortung für das Projekt verabschiedet.

          Er erspart sich künftig das Zusammentreffen mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Der konnte es nicht verschmerzen, dass ihm sein SPD-Genosse im Winter nach der abermals verpatzten Startankündigung den Aufsichtsratsvorsitz entriss. Das schlechte Verhältnis zwischen beiden blockierte die Arbeit der Aufseher, zudem zieht der Vertreter des Bundes an seinem eigenen Strang.

          Wenigstens ein paar Flugzeuge sollen starten

          Warum sollte es in der Geschäftsführung harmonisch zugehen, wenn schon die Gesellschafter zanken? Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und sein Technik-Chef Horst Amann sind sich nicht grün. Mehdorns Versuche, Amann schnell loszuwerden, hat bisher das Bundesverkehrsministerium verhindert. Aber wenigstens sein Konzept der Teileröffnung hat Mehdorn durchgesetzt.

          In strategischen Fragen trennen die beiden Manager Welten. Mehdorn möchte möglichst schnell ein paar Flugzeuge vom BER starten lassen, um mehr Erkenntnisse über den Betrieb zu gewinnen - und wohl auch um zu beweisen, dass es unter seiner Führung vorangeht. Amann will nichts überstürzen, solange viele technische Probleme ungelöst sind. Beide Geschäftsführer fürchten derweil beinahe nichts so sehr wie die Überlegung, nach Platzecks Ausscheiden einen „Wirtschaftsexperten“ an die Spitze des Aufsichtsrats zu setzen. Das wäre einer mehr, der im operativen Geschäft mitmischt. Die Reibereien setzen sich in den Arbeitsebenen der Flughafengesellschaft fort. Hier streiten Techniker und Juristen, Alt und Neu, Ost und West. Die Folge ist: Stillstand.

          In der Öffentlichkeit ruft es kaum noch Kopfschütteln hervor, wenn inzwischen über einen Eröffnungstermin 2016 spekuliert wird - fünf Jahre später als einst versprochen. Mancher empfiehlt schon, wenn sich die Technik nicht anpassen lasse, das neue BER-Terminal abzureißen und ein neues zu bauen. In dieser Frage rücken plötzlich Geschäftsführung und Aufsichtsrat ganz eng zusammen und halten dagegen. Denn in dem Fall gäbe es niemals einen neuen Planfeststellungsbeschluss - und nie einen neuen Hauptstadtflughafen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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