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Kauf der Wasserbetriebe : Wowereits Eleganz

Man kann auch ohne eigenes Geld glücklich werden - solange andere zahlen. Berlin zeigt es.

          2 Min.

          Der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), verdient allerhöchste Bewunderung. Nachdem sich in der Metropole unter seiner vorbildlichen Ägide gutes Leben mit wenig Geld eingebürgert hat, perfektioniert der Sozialdemokrat nun sogar eine neue Form der Vermögensbildung. Sie heißt: Einkaufen ohne Geld.

          Wie das? Das Land Berlin sichert sich ein Viertel der Berliner Wasserbetriebe, die Finanzlage der Hauptstadt beeinträchtigt der Kauf überhaupt nicht. Denn bezahlt wird der Kauf aus den zu erwartenden Gewinnen der Wasserbetriebe.

          Die Gewinne sind sicher

          Gewinne sind insofern sicher, als die Wasserbetriebe keine Konkurrenz fürchten müssen und die Kunden die Eigenart haben, ohne Trinkwasser nicht auskommen zu wollen. Die Finanzierung aus Gewinn heiß: Die Wasserbetriebe bezahlen den Kauf der Wasserbetriebe.

          Das klingt wie ein tolles Geschäft. Es liegt eigentlich so nahe, dass es ein jeder hätte machen können. Aber jeder ist eben nicht Klaus Wowereit. Das einzig gefährliche wäre, wenn politische Kräfte niedrigere Wasserpreise durchsetzten, die Gewinne schrumpfen ließen und damit die Finanzierung gefährdeten.

          Wowereit versteht, elegant das Geld anderer Leute auszugeben

          Aber selbst eine solche Situation würde der Sozialdemokrat meistern. Denn das zweite, wofür man Klaus Wowereit aufs höchste loben muss, ist die Eleganz, mit der er es immer verstanden hat, das Geld anderer Leute auszugeben versteht. Neue Finanzlöcher wird dieser Mann schon stopfen, zum Beispiel und bestimmt mit einer gewissen diebischen Freude mithilfe der solidarischen Ausgleichzahlungen aus Bayern, die das reiche Bundesland an die arme Metropole im Rahmen des Länderfinanzausgleichs.

          Wie unelegant im Vergleich zu Wowereit sind dagegen der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer und sein Finanzminister Markus Söder, die nun den Finanzausgleich gerichtlich prüfen lassen wollen. Lässig erinnert Berlin die Bayern an ihre moralische Pflicht zu Solidarität. Wowereit gibt auch gerne den Dandy, der von der Familie durchgefüttert wird, weil er ein bisschen Esprit in ihr profanes Dasein bringt.

          Wowereit wäre ein großes Vorbild für Mappus

          Dass Wowereit ein großes Vorbild ist, müsste sich auch der nun doch arg gebeutelte Stefan Mappus in stiller Stunde eingestehen. Wie blöd, einen Energiekonzern mit Atomkraftwerken zu kaufen, das Parlament auszutricksen und auch noch alles auffliegen zu lassen. Wie blöd vor allem, ein Unternehmen zu kaufen, das Konkurrenz hat. Das wäre Klaus Wowereit nicht passiert.

          Selbst der sozialdemokratische Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, kann noch viel vom Mann aus Berlin lernen. 330 Millionen Euro hatte der Landesvater in den Auto-Parcours Nürburg gesteckt, auf dass die Piloten in ihren Rennautos zahlungskräftiges Publikum anlocken und es, wenn es schon einmal da ist, gleich noch ein paar Tage dran hängt. In der Eifel.

          Jetzt ist der Nürburgring pleite und alle geben Kurt Beck die Schuld, fordern gar seinen Rücktritt. Anzukreiden ist dem Pfälzer nicht die Geldversenkung in der Eifel, sondern die Tatsache, dass er dafür der Öffentlichkeit noch keinen geeigneten Schuldigen zur Verfügung gestellt hat. Das schafft Wowereit irgendwie besser, für die teuren Probleme am Berliner Großflughafen wird er selten haftbar gemacht.

          Ohnehin scheint Wowereit den Politiker-Prototyp der Zukunft zu verkörpern. Arm, aber sexy, beschreibt diesen Typus nur unvollkommen. Besser vielleicht: Glücklich, auch ohne eigenes Geld.

          Wowereit ist wie die Stadt, die er so elegant und lässig regiert. Wir fliegen auf Berlin. Vorausgesetzt, der Flughafen wird noch fertig.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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