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Kalorienangaben auf Lebensmitteln : Mit Fettdruck gegen die Fettleibigkeit

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Ellenlange Tabellen, wenig Überblick: So sehen derzeit die Angaben auf amerikanischen Lebensmitteln aus. Bild: AFP

Amerika startet einen neuen Anlauf im Kampf gegen die Fettleibigkeit: Auf Lebensmittelpackungen soll künftig der Kaloriengehalt in Fettdruck stehen. Auch in Europa werden die Angaben dieses Jahr transparenter. Jedenfalls ein bisschen.

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          Das Bild vom übergewichtigen, Burger essenden und Zuckerlimonade trinkenden Amerikaner - das gibt es in den Köpfen vieler Europäer. Doch jetzt wollen die Vereinigten Staaten einen neuen Anlauf für mehr Aufklärung und weniger Fettleibigkeit starten und ihre Lebensmittelkennzeichnung stark überarbeiten. Kern der Reform: Auf Lebensmittelpackungen von Keks bis Joghurt, von Müsli bis Milchshake sollen künftig die Kalorienangaben deutlich größer und fetter aufgedruckt werden. Zugesetzter Zucker soll offensichtlicher deklariert und Portionsgrößen einem realistischen Maß angepasst werden.

          Die Neuerungen hat die Lebensmittelbehörde FDA entwickelt. Am Donnerstag verkündete die Präsidentengattin Michelle Obama im Weißen Haus die Details. Sie sollen mehr Klarheit schaffen. Denn derzeit sind die Angaben zu Inhaltsstoffen auf amerikanischen Lebensmitteln ein kleiner Dschungel: Ellenlange Tabellen, verwirrende Portionsgrößen, einzeln ausgewiesene verschiedene Zuckerarten - oft sorgen die Angaben eher für Verwirrung des Verbrauchers.

          Die Reform sei „eine große Sache“, sagte Michelle Obama, die sich schon seit längerem dem Kampf gegen Adipositas verschrieben hat. Ein Konsument solle in die Lage versetzt werden „in einen Supermarkt zu gehen, eine Ware aus dem Regal zu nehmen und sofort zu wissen, ob dieses Lebensmittel gut für seine Familie ist.“

          Die Kalorien auf einen Blick: So wünscht es sich Michelle Obama.
          Die Kalorien auf einen Blick: So wünscht es sich Michelle Obama. : Bild: REUTERS

          Amerika ist mit der Überarbeitung seiner Lebensmittelkennzeichnung nicht allein: Auch in der Europäischen Union tritt Ende diesen Jahres eine Verordnung in Kraft, die neue Vorschriften für die Beschriftung verpackter Lebensmittel macht. Die Nahrungsmittelbranche wird künftig auf allen Lebensmittel- und Getränkeverpackungen klare Angaben zum Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie dem Kaloriengehalt machen müssen.

          Die Hersteller müssen in Form einer Tabelle auf der Rückseite der Verpackung angeben, wie viel Fette, gesättigte Fette, Zucker und Salz sie je 100 Gramm oder je 100 Milliliter enthalten. Zudem können sie angeben, wie viel Prozent des durchschnittlichen täglichen Bedarfs einer 40 Jahre alten Frau, also 2000 Kilokalorien, damit abgedeckt sind. Auch in der EU gibt es, wie auch künftig in Amerika Vorgaben zur Schriftgröße des Aufdrucks auf der Verpackung: Um die Lesbarkeit der Angaben sicherzustellen, muss das kleine „x“ mindestens 1,2 Millimeter hoch sein.

          In den Vereinigten Staaten haben die Hersteller noch zwei Jahre Zeit, bis sie die neuen Vorgaben endgültig umsetzen müssen. Neben dem dickeren Aufdruck der Kalorienangaben muss auch hier die Grammzahl des zugesetzten Zuckers angegeben werden. Anders als bisher dürfen die Hersteller nicht mehr zwischen Zucker aus verschiedenen Quellen unterscheiden und können etwa Zucker aus Honig oder Maissirup nicht länger getrennt vom sonstigen Zucker ausweisen.

          Die Portionsgrößen werden dem angepasst, wie viel Menschen normalerweise von einem Lebensmittel essen - das soll durch Studienergebnisse ermittelt werden. Auch der Fettgehalt und die gesättigten und ungesättigten Fette eines Lebensmittels sollen weiterhin ausgewiesen werden. Zudem sollen Vitamin D und Eisengehalt auf die Packungen gedruckt werden, da in diesem Bereich die häufigsten Mangelerscheinungen der Amerikaner seien.

          In Amerika wie in Europa gibt es immer wieder Streit über die von Verbraucherschützern geforderte Transparenz von Angaben auf Lebensmittelverpackungen. Organisationen wie Foodwatch fordern seit langem eine Lebensmittelampel für Europa, die in den Farben rot, gelb und grün auf einen Blick ausweist, wie hoch der Salz-, Zucker- und Fettgehalt eines Lebensmittels ist. Doch damit konnten sich die Befürworter in Europa nicht durchsetzen; die Ampel wurde vom EU-Parlament schon vor Jahren abgelehnt.

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