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Jugendliche im Job : Mangelnde Kenntnisse, unzuverlässig, unpünktlich

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Allzu oft komme die Jugend zu spät zur Arbeit, beklagen Arbeitgeber Bild: Andy Ridder / VISUM

Der guten Konjunktur zum Trotz: Die Chancen am Arbeitsmarkt für gering qualifizierte junge Menschen sind gleich null. Dies ist das Resultat einer Allensbach-Umfrage unter Arbeitgebern, Sozialarbeitern und Lehrern.

          Die Chancen für gering qualifizierte Jugendliche am Arbeitsmarkt sind trotz des günstigen konjunkturellen Umfelds immer noch schlecht. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Arbeitgebern, Sozialarbeitern und Lehrern durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Mehr als 91 Prozent der befragten 250 Arbeitgeber bezeichneten die Chancen junger Menschen, ohne oder mit einem schlechten Hauptschulabschluss einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen, als „schlecht bis sehr schlecht“.

          Die Ursachen liegen für die Befragten auf der Hand. Vier Fünftel der Arbeitgeber, Lehrer und Sozialarbeiter geben an, dass in den vergangenen Jahren die Anforderungen in Ausbildung und Beruf deutlich gestiegen seien. Zudem gebe es kaum noch Bedarf an gering qualifizierten Arbeitskräften. Davon sind zwei Drittel überzeugt.

          Die Liste der Defizite ist lang

          Lang ist die Liste der Defizite der Jugendlichen. Neun von zehn Arbeitgebern bemängeln die „schlechten Grundfertigkeiten wie Rechnen, Lesen, Schreiben“ der gering qualifizierten Jugendlichen. Annähernd 80 Prozent der Arbeitgeber beklagen Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, ein fehlendes Bewusstsein für Regeln und Vorschriften sowie mangelnde Leistungsbereitschaft.

          Jeder zweite Arbeitgeber wirft den Jugendlichen vor, nicht für einen Lohn knapp über Hartz-IV-Niveau arbeiten zu wollen. Nach Meinung von 89 Prozent der Arbeitgeber sollten Jugendliche ohne Schulabschluss die Möglichkeit erhalten, diesen nachzumachen. Rund 90 Prozent der Sozialarbeiter kritisieren die „niedrige Frustrationsschwelle sowie das mangelnde Durchhaltevermögen“ junger Menschen mit schlechten Arbeitsmarktchancen.

          Auch Lohnkostenzuschüsse erhöhen die Chancen kaum

          Auch staatliche Lohnkostenzuschüsse für die Jugendlichen erhöhen deren Chancen am Arbeitsmarkt offenbar kaum. Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen wollen gering qualifizierte junge Menschen auch dann nicht einstellen, wenn der Steuerzahler den geringen Lohn dauerhaft aufstockt. Annähernd zwei Drittel der Unternehmer befürworten jedoch, dass Betriebe einmalige Zuschüsse erhalten, wenn sie Ausbildungs- oder Arbeitsplätze für gering qualifizierte Jugendliche schafften.

          Damit unterstützen sie die von der großen Koalition geplante Einführung eines Ausbildungsbonus. Dieser sieht vor, dass Betriebe einen Zuschuss von 4000 bis 6000 Euro erhalten, wenn sie eine zusätzliche Lehrstelle für einen Jugendlichen schaffen, der sich wegen geringer schulischer Qualifikation oder sozialer Defizite schon einmal vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht hat.

          Der Bundestag wird sich an diesem Donnerstag abschließend mit dem Ausbildungsbonus befassen. Zuvor haben sich SPD und Union nochmals auf Korrekturen verständigt. Danach soll die Bundesagentur für Arbeit (BA) 50 Prozent des Bonus nach Ablauf der Probezeit des Jugendlichen an das Unternehmen auszahlen. Den zweiten Teil sollen die Betriebe nach der Anmeldung des Jugendlichen zur Abschlussprüfung erhalten. Die Kosten des Programms werden auf 450 Millionen Euro beziffert; das Geld wird Überschüssen der BA entnommen.

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