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Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger : „Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!“

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Ackermann: Deswegen ist es ganz wichtig, Institutionen zu schaffen, die sich mit bedenklichen Entwicklungen rechtzeitig auseinandersetzen und verhindern, dass Spekulationsblasen entstehen. Sie haben insofern recht, als die Banken unter den jetzigen „Spielregeln“ relativ wenig Eigenkapital benötigen. Nach den Basel-II-Vorschriften der Bankaufseher müssen Banken ihr Geschäft nur mit mindestens 4 Prozent Kernkapital unterlegen. Das erleichtert es natürlich, eine hohe Eigenkapitalrendite zu erzielen.

Ist es nicht so: Für eine hohe Rendite muss man hohe Risiken eingehen?

Ackermann: Nein, das sehe ich nicht so. Gerade in Geschäftsfeldern, die wenig riskant sind, etwa in der Vermögensverwaltung oder im Beratungsgeschäft, benötigt man wenig Eigenkapital - bei gleichem Gewinn ist die Rendite auf einem solchen Geschäftsfeld also viel höher als auf Gebieten mit hohen Risiken, für die die Aufsicht eine höhere Eigenkapitalunterlegung vorschreibt. Die Höhe der Eigenkapitalrendite hängt stark vom Geschäftsmodell ab.

Herr Binswanger, halten Sie eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent für ein realistisches Ziel?

Binswanger: Für Einzelne ja. Aber nicht generell. Eine solch hohe Rendite lässt sich auf Dauer nur in einem monopolistischen oder oligopolistischen Markt erzielen. Für alle Unternehmen scheint mir das hingegen nicht möglich, es sei denn, es kommt über Kreditvergabe zu Spekulationsblasen. Doch wenn diese Blasen platzen, kommt es statt zu Gewinnen zu Verlusten.

Ackermann: Natürlich kann nicht jedes einzelne Unternehmen oder können nicht alle Unternehmen im Schnitt solch eine Rendite erzielen!

Vorhin sagten Sie aber, dass solch hohe Renditen für die Top-Banken allgemein üblich sind?

Ackermann: Ich sehe da keinen Widerspruch: Für die Besten ist das üblich, aber nicht für den Durchschnitt. Wie gesagt: Es hängt vor allem vom Geschäftsmodell ab, und auch die Marktstruktur kann einen Einfluss haben. Die Eintrittsbarrieren für manche Geschäftsbereiche sind so hoch, dass es neue Wettbewerber sehr schwer haben. Eine führende Investmentbank muss heute global aufgestellt sein, sie benötigt eine ausgeklügelte Informationstechnik. Das aufzubauen dauert Jahre, ist sehr kostspielig - und ob es sich jemals auszahlt, ist ungewiss.

In der Krise sind jetzt sogar mehrere Banken vom Markt verschwunden...

Ackermann: Als Lehre aus der Krise sähen es einige gerne, wenn die Banken wieder kleiner, fokussierter, überschaubarer würden - damit sie nicht „too big to fail“ werden, also nicht so groß, dass der Staat sie im Fall einer Schieflage unbedingt retten muss, weil eine Insolvenz das gesamte Finanzsystem eines Landes zusammenbrechen lassen könnte. Und in der Tat haben im Zuge der Krise einige Großbanken kleinere Banken übernommen, und manche Große sind noch größer geworden. Im globalen Investmentbanking sind statt früher rund zehn jetzt nur noch fünf oder sechs Häuser aktiv. Man wird sehen, ob die Allgemeinheit mit solch einer Marktstruktur auf die Dauer gut leben kann und will - auch aus aufsichtsrechtlicher und politischer Sicht.

Müssten die Institute aufgespalten werden?

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