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Deutscher Arbeitsmarkt : Jobvermittler bereiten sich auf Flüchtlinge vor

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Vor der Agentur für Arbeit in Schwerin: die Arbeitslosigkeit in Deutschland befindet sich auf einem langjährigen Tiefstand. Bild: dpa

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Erwerbstätigkeit hoch: Eigentlich befindet sich der deutsche Arbeitsmarkt in einer guten Verfassung. Ein Problem treibt die Arbeitsvermittler nun aber besonders um.

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          Es sind Zahlen, mit denen der Chef der Bundesagentur für Arbeit eigentlich gut leben kann: Die April-Arbeitslosigkeit liegt mit 2,843 Millionen auf einem historischen Tiefstand, die Zahl der Erwerbstätigen ist mit zuletzt 42,47 Millionen so hoch wie selten zuvor. Und auch in den kommenden Monaten zeichnet sich keine Jobkrise ab, wie Frank-Jürgen Weise gestern in Nürnberg, am Sitz seiner Behörde, betonte.

          Es sieht also alles nach einem guten Arbeitsmarktjahr aus - einem besseren als 2014, dem „Jahr des Stillstands“. Im Jahresschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen sogar auf 2,79 Millionen sinken, das wären knapp 110.000 weniger als im vergangenen Jahr. Und trotzdem sind die Mitarbeiter in der BA nicht ohne Sorge. Der Blick der Planungsstäbe und auch des Verwaltungsrats richtet sich dabei auf eine bestimmte Zahl: Deutschland muss sich nach Einschätzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) allein in diesem Jahr auf rund 300.000 Flüchtlinge einstellen. Und wenigstens die Hälfte davon, denkt BA-Vorstand Heinrich Alt, werde länger oder gar dauerhaft in Deutschland bleiben wollen und auch können.

          170 Mitarbeiter mehr

          Wann diese Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Eritrea und Nigeria in den Jobcentern und Arbeitsagenturen Rat und vor allem einen Job suchen, ist für ihn und seine Leute nur eine Frage der Zeit. Das hat inzwischen auch der Verwaltungsrat der Behörde erkannt; in einem am vergangenen Freitag verabschiedeten „Empfehlungs“-Papier schlug das Kontrollgremium Alarm. „Kombiniert mit einer Verkürzung der Wartefrist kommen mehr Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge sowie Geduldete mit Arbeitsgestattung als Kunden auf die Arbeitsagenturen und Jobcenter zu.“

          Vor allem die von der Bundesregierung gelockerten Arbeits-Beschränkungen erleichtern es Flüchtlingen, eine Arbeit aufzunehmen. Inzwischen dürfen Asylbewerber bereits nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland einer Arbeit nachgehen - vorausgesetzt, dass sich dafür kein Deutscher oder ein anderer geeigneter EU-Bürger findet. 15 Monate lang besteht diese Einschränkung; es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Frist gesenkt wird. Die BA-Oberen rechnen alleine in diesem Jahr damit, dass rund 90.000 Flüchtlinge in Arbeitsagenturen und Jobcentern Rat suchen werden.

          Sind die Jobvermittler dieser Herausforderung gewachsen? Dem BA-Verwaltungsrat ist klar, dass die Beratung eines nur schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Arztes, Ingenieurs oder Automechanikers aus Syrien oder dem Irak wesentlich zeitaufwendiger und komplexer ist als die eines Deutschen auf Arbeitssuche. So setzt sich das Gremium nicht nur dafür ein, 170 zusätzlichen Mitarbeiter einzustellen. Es müssten auch Jobvermittler sein, die mit der Kultur der ausländischen Bewerber vertraut sind und die sich im Ausländer- und Zuwanderungsrechts gut auskennen.

          Das alles nutzt allerdings wenig, wenn die Flüchtlinge nicht über ausreichend Deutschkenntnisse verfüge. „Wir sind in den Startlöchern. Aber ohne Deutschkenntnisse der Asylbewerber sind uns die Hände gebunden“, klagt eine führende BA-Mitarbeiterin. Denn der Bundesagentur ist es rechtlich untersagt, Asylbewerbern Basis-Sprachkurse zu finanzieren. Erst für die berufsbezogene Deutschförderung darf sie Geld freigeben.

          Der Bund als dafür hauptsächlich Zuständiger hat für die Sprachförderung von Zuwanderern in diesem Jahr 244 Millionen Euro eingeplant. Um aber allen erwerbsfähigen Asylbewerbern sprachliche Grundkenntnisse zu vermitteln, werden nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit mehr als 300 Millionen Euro benötigt.

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