https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/jenseits-von-clinton-trump-wird-marihuana-legalisiert-14516260.html

Legalisierung von Marihuana : Jenseits von Clinton und Trump

Legalize it? Bild: AP

Amerika wählt am Dienstag nicht nur einen neuen Präsidenten. Es wird auch eine breite Palette von Bürgerentscheiden geben – darunter Abstimmungen über die Legalisierung von Marihuana.

          3 Min.

          Am Dienstag wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Das ist aber längst nicht die einzige Entscheidung, die Amerikaner zu treffen haben. Beispielsweise wird auch über eine Reihe von Sitzen im amerikanischen Kongress abgestimmt. Und dann gibt es auf regionaler Ebene eine ganze Palette von Bürgerentscheiden.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Allein in Kalifornien stehen 17 von ihnen auf dem Programm, und dabei geht es um die unterschiedlichsten Themen. Kalifornier sollen über die Abschaffung der Todesstrafe ebenso abstimmen wie über ein Verbot von Einwegplastiktüten und die Einführung einer Kondompflicht in der Pornoindustrie.

          Auch ein Votum zur Legalisierung von Marihuana als Genussmittel ist in Kalifornien angesetzt. Kalifornien war einst ein Pionier darin, die Substanz aus der Schmuddelecke zu holen und hat sie 1996 als erster Bundesstaat für den medizinischen Einsatz freigegeben. Mittlerweile erlauben rund 25 Bundesstaaten Marihuana für diesen Zweck.

          Fünf Bundesstaaten entscheiden über Marihuana

          In Kalifornien wie auch anderswo ist dieses medizinische Kriterium im Laufe der Zeit immer großzügiger ausgelegt worden, und es ist mittlerweile eine leichte Übung, die notwendige ärztliche Empfehlung für den Kauf des Stoffs zu bekommen. Es war aber trotzdem ein großer Schritt, als Colorado 2014 als erster Bundesstaat Marihuana auch offiziell als Genussmittel freigab. Dem folgten seither auch die Bundesstaaten Washington, Oregon, Alaska und die Hauptstadt Washington.

          Der einstige Pionier Kalifornien ist nun also gegenüber diesen Regionen in Rückstand geraten, aber das könnte sich nun ändern. Umfragen zufolge dürften die Befürworter einer Legalisierung die Mehrheit bekommen. Ein Votum des bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaats für eine Freigabe wäre ein Durchbruch für die Marihuanabranche, die zu einer aufstrebenden Industrie geworden ist. Neben Kalifornien wird auch noch in vier anderen Bundesstaaten über die Legalisierung als Genussmittel abgestimmt, Florida und einige andere Bundesstaaten werden über die medizinische Freigabe entscheiden.

          Finanzmärkte setzten auf Sieg der Marihuanabefürworter

          Sollten die Legalisierungsbefürworter in all diesen Volksentscheiden gewinnen, wäre dies ein gewaltiger Schritt für Marihuana in den Mainstream. Die Chancen stehen gut, denn die Einstellung der amerikanischen Bevölkerung zu der Droge hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. In einer kürzlich veröffentlichten Erhebung des Pew Research Center haben sich 57 Prozent der Befragten für die Legalisierung von Marihuana ausgesprochen und nur 37 Prozent dagegen. Vor zehn Jahren waren erst 32 Prozent dafür, und die Gegner hatten mit 60 Prozent klar die Oberhand.

          Auch die Finanzmärkte scheinen sich auf einen Sieg der Marihuanabefürworter einzustellen. Die Aktienkurse von Unternehmen, die in dem Geschäft tätig sind, haben zuletzt enorm zugelegt. Der Kurs der General Cannabis Corp., die Anbauer von Marihuana berät und sie finanziert, hat sich in den vergangenen drei Monaten fast vervierfacht. Die Aktie der United Cannabis Corp., ein auf medizinisches Marihuana spezialisiertes Beratungsunternehmen, kostet heute mehr als fünf Mal so viel wie noch vor drei Monaten.

          Vor diesem Aufschwung notierten die Kurse vieler Marihuanaunternehmen freilich bei weniger als einem Dollar, und bei einer Reihe von ihnen ist das bis heute der Fall. Die Aktien sind allgemein sehr volatil, und sie werden auch nicht an großen Börsen wie der New York Stock Exchange oder der Nasdaq gehandelt, sondern im außerbörslichen „Over the counter“-Markt. Viele Marihuanaunternehmen haben diesen Weg an die Finanzmärkte gesucht, weil es bislang schwierig ist, gewöhnliche Investoren zu finden.

          Auch Microsoft mit von der Partie

          Das wiederum hat mit der widersprüchlichen Gesetzeslage zu tun. Denn obwohl die Substanz in immer mehr mehr amerikanischen Regionen erlaubt ist, bleibt sie auf Bundesebene bis heute verboten und wird sogar auf eine Stufe mit Heroin gestellt. Banken halten sich daher bislang weitgehend aus dem Geschäft heraus, weil sie fürchten, sich aus Sicht der Bundesregierung der Geldwäsche schuldig zu machen. Vielen Marihuanabetrieben fällt es schwer, ein Bankkonto zu bekommen, weshalb deren Geschäfte oft in bar abgewickelt werden.

          Aber immer mehr bekannte und seriöse Namen sind in dem Feld zu finden. Der Softwarekonzern Microsoft hat in diesem Jahr eine Allianz mit einem Anbieter von Programmen für die Marihuanaindustrie geschlossen. Schon vor einiger Zeit hat sich der Investor Peter Thiel, der einst das soziale Netzwerk Facebook in dessen Anfangstagen unterstützte, an einer Marihuanagesellschaft beteiligt.

          In jedem Fall ist es ein wachstumsstarkes Geschäft. Nach Schätzungen der auf die Branche spezialisierten Analyse- und Investmentgruppe Arcview wird der Marihuanaumsatz in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr um 25 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar steigen. Für das Jahr 2020 werden sogar 22,8 Milliarden Dollar erwartet. Erfolge bei den Abstimmungen am Dienstag wären ein wichtiger Schritt für die Industrie, um diese Marke zu erreichen.

          Weitere Themen

          US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu Video-Seite öffnen

          Im März : US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu

          Angesichts der hohen Inflationsrate steuert die US-Notenbank Fed auf eine Erhöhung der Leitzinsen zu. Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank die Leitzinsen beim nächsten Treffen des Gremiums im März anheben könnte.

          Topmeldungen