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Japan : Panikartige Käufe von Mineralwasser in Tokio

Leere Regalplätze für Mineralwasser in einem Supermarkt in Tokio Bild: dpa

Nach der Warnung vor radioaktivem Jod im Leitungswasser von Tokio gibt es in den Geschäften kaum noch abgefülltes Wasser. Die Stadtverwaltung begann damit, Flaschen mit Wasser an Familien mit Kindern auszuteilen - je Kind drei Flaschen.

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          Im Großraum Tokio mit seinen 30 Millionen Einwohnern ist die Versorgung mit Mineralwasser praktisch zusammengebrochen. Kabinettsminister Yukio Edano teilte am Donnerstag in Tokio mit, dass die japanische Regierung deswegen die Hersteller aufgerufen hat, ihre Produktion zu steigern und die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. In Tokio war es zu panikartigen Käufen von Wasser in den Supermärkten und Geschäften gekommen, nachdem die Regierung von radioaktiver Belastung des Trinkwassers in der Hauptstadt und Gesundheitsgefährdungen für Babys und Kleinkinder berichtet hatte. Die Stadtverwaltung von Tokio bekräftigte am Donnerstag ihren Aufruf, Kleinkindern wegen der radioaktiven Belastung kein Leitungswasser zum Trinken zu geben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die japanischen Mineralwasserproduzenten haben schnell auf den Appell der Regierung reagiert, konnten aber zum Teil nicht versprechen, kurzfristig die Produktion zu erhöhen. „Wir wünschen mehr zu tun, aber wir sind dazu nicht in der Lage“, sagte ein Sprecher des Getränkekonzerns Kirin der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“.

          Edano kündigte an, dass Japans Regierung nicht ausschließe, mehr Mineralwasser aus dem Ausland zu importieren und so auf die Versorgungsengpässe zu reagieren. Er wies aber auch darauf hin, dass die radioaktive Verseuchung des Trinkwassers bislang noch kein unmittelbares Risiko für Kinder und für Erwachsende darstelle. Die Stadtverwaltung von Tokio begann damit, 240.000 Flaschen mit 0,55 Litern Wasser an Familien mit Kindern auszuteilen. Je Kind gebe es drei Flaschen Wasser, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit.

          In Tokios Supermärkten gibt es derzeit kein Wasser mehr zu kaufen. „Die Regale sind leer“, berichteten Einwohner der Stadt. Zwar hatte Edano die Bevölkerung vor Panikkäufen gewarnt, die Nachrichten über das verseuchte Wasser werden aber auch von Japaner, die auf die Krise bislang diszipliniert reagiert hatten, als Warnzeichen gedeutet, dass die atomare Verseuchung durch das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima 1 schlimmer sein könnte, als von manchen Experten und der Regierung behauptet. „Ich verliere langsam meine Zuversicht“, sagten Einwohner der Stadt der F.A.Z.

          Nicht nur Trinkwasser wird knapp. Auch Benzin ist in den von der Erdbeben- und der Atomkatastrophe besonders betroffenen Regionen kaum noch zu bekommen. Der Preis für Benzin stieg auf mehr als 151 Yen im Landesdurchschnitt. Vor allem in Tohoku, der besonders verwüsteten Region, gebe es bis heute große Probleme mit der Versorgung mit Treibstoff, erklärte das Öl-Informationszentrum in Tokio.

          Für die Sushi-Freunde in Japan, die den Genuss rohen Fischs schätzen, gab es dagegen einen kleinen Hoffnungsschimmer. Das Landwirtschaftsministerium in Tokio teilte mit, dass das Risiko einer radioaktiven Belastung von Fischen wesentlich geringer sei als die Belastung bei Blattgemüse wie Spinat. Dennoch haben auch in Tokio die meisten Sushi-Restaurants Fisch aus Tohoku von der Speisekarte gestrichen. „Wir sehen kein hohes Risiko für Vergiftung von Fischen wegen der radioaktiven Belastung", sagte Yasuo Sasaki, einer der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.

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