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Japan : „Gefährlichstes Atomkraftwerk der Welt“ soll zurück ans Netz

Das Hamaoka-Kernkraftwerk liegt in einem Gebiet, in dem Erdbebengefahr herrscht. Bild: REUTERS

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat Japan alle kommerziellen Kernkraftwerke vom Netz genommen. Nun wollen die Betreiber sie neu starten. Sogar ein Kraftwerk an der Küste im Erdbeben-Gebiet.

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          In Japan soll im kommenden Jahr auch ein Atomkraftwerk wieder ans Netz gehen, das von Wissenschaftlern als „gefährlichstes Atomkraftwerk der Welt“ bezeichnet worden ist. Der Vizepräsident der Chubu-Elektrizitätswerke, Masatoshi Sakaguchi, reichte bei der Atomaufsicht NRA in Tokio den Antrag ein, dem umstrittenen Kraftwerk in Hamaoka die Sicherheitsbescheinigung für einen Neustart auszustellen.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der frühere japanische Ministerpräsident Naoto Kan hatte im Mai 2011, acht Wochen nach der Havarie der Atomreaktoren in Fukushima, die Stilllegung der drei funktionsfähigen Reaktoren in Hamaoka angeordnet. Erdbebenforscher bezeichnen die 180 Kilometer von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt gelegene Anlage als gefährlichstes Atomkraftwerk der Welt. Denn unter den Reaktoren stoßen zwei Erdplatten aufeinander, die Region gilt als extrem erdbebengefährdet. Kan begründete seine Entscheidung damit, dass ein schweres Erdbeben in den kommenden drei Jahrzehnten sehr wahrscheinlich sei.

          Sakaguchi sagte nun, das Unternehmen werde bis 2015 alles dafür tun, die Reaktoren erdbebensicherer zu machen. Der Schutzwall zum Pazifik, der bislang auf einen Tsunami mit acht Meter Wasserhöhe ausgerichtet ist, soll so verstärkt werden, dass er 21 Meter hohen Wellen standhalten kann.

          17 Neustart-Anträge

          Zerstörungen durch den bis zu 20 Meter hohen Tsunami hatten nach dem verheerenden Seebeben vor der nordostjapanischen Küste zu der Atomkatastrophe in Fukushima geführt. „Wir sind jetzt in einer anderen Situation“, sagte Chubu-Vizechef Sakaguchi, als er von Journalisten auf die Entscheidung Kans vom Mai 2011 angesprochen wurde. Es gebe nach Fukushima strengere Sicherheitsauflagen; und Hamaoka werde nachgerüstet, um diese Auflagen zu erfüllen. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben bis 2015 rund 330 Milliarden Yen in die Sicherheit der drei funktionsfähigen Reaktoren investieren. Als erstes soll Reaktor 4 wieder starten, für ihn liegt der NRA jetzt der Antrag vor, die Sicherheit zu bescheinigen.

          Die Behörde prüft damit mittlerweile Anträge für den Neustart von 17 Reaktoren. Von den 48 kommerziellen Atomreaktoren Japans ist derzeit keiner in Betrieb. Die Energielücke wird seit Jahren durch Einfuhren von Öl, Gas und Kohle geschlossen. Das hat die japanische Handels- und in den vergangenen Monaten auch die Leistungsbilanz der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt tief in die roten Zahlen getrieben.

          Gleichzeitig klagen die Industrieunternehmen über drastisch gestiegene Energiekosten. Ministerpräsident Shinzo Abe, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er trotz der Erfahrungen in Fukushima ein Befürworter der Atomkraft ist, plant deswegen, die ersten Atomreaktoren schnell wieder in Betrieb zu nehmen.

          Dazu benötigen die Energieunternehmen zuvor allerdings die Bescheinigung der Atomaufsicht NRA, dass die Anlagen den Sicherheitsvorschriften entsprechen. NRA-Chef Shunichi Tanaka hat jetzt erklärt, dass die ersten Sicherheitsüberprüfungen für etwa 10 Reaktoren nicht vor Ende März abgeschlossen sein dürften.

          Am Widerstand der Kommunen um das AKW Hamaoka dürfte eine Inbetriebnahme nicht scheitern. Die Frage spielte bereits bei den Bürgermeisterwahlen im April 2012 eine entscheidende Rolle. Damals setzte sich der Amtsinhaber, der sich für einen Neustart ausgesprochen hatte, gegen zwei Kandidaten durch, die für den Atomausstieg Japans plädierten. Rückenwind haben die Befürworter der Atomkraft in Japan auch durch die Gouverneurswahlen in Tokio erhalten, bei der Kandidaten scheiterten, die die Wahl zu einem Plebiszit für den Atomausstieg machen wollten.

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