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Janet Yellen : Mrs. Moneymaker

  • -Aktualisiert am

Obama will Janet Yellen an die Spitze der US-Notenbank berufen. Bild: reuters

Amerikas Präsident Obama hat Janet Yellen für die Spitze der wichtigsten Zentralbank der Welt vorgeschlagen. Wer ist sie? Ein Porträt der wohl bald mächtigsten Frau der Vereinigten Staaten.

          Wenn Janet Yellen vor anderen ranghohen Notenbankern spricht, dann hören sie ganz genau zu. Manche machen sich sogar Notizen, um ja nichts zu verpassen. Denn von der noch stellvertretenden Präsidentin der amerikanischen Notenbank Fed zählt jedes einzelne Wort. Das gilt noch mehr, da der amerikanische Präsident Barack Obama sie nun zur Nachfolgerin des Noch-Notenbank-Präsidenten Ben Bernanke machen will. Ab Februar des kommenden Jahres wird sie darum mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die mächtigste Frau Amerikas sein, sollte der Senat der Nominierung Obamas vom Mittwoch zustimmen.

          Und trotzdem: Wenn Janet Yellen einen Raum betritt, dann fällt sie häufig gar nicht auf. Sie öffnet die Tür nicht mit einem Rumms, erscheint selten mit Entourage; sie dominiert nicht sofort die Diskussion. Man übersieht sie leicht, erzählen übereinstimmend Menschen, die oft mit ihr zusammentreffen. Das liegt sicher auch daran, dass sie eine ziemlich kleine Person ist. Bei Reden muss sie meist erst einmal das Mikrofon niedriger machen. Und es gibt dieses Foto aus den 90er Jahren, auf dem sie neben ihrem berühmten Kollegen Larry Summers steht - und er sie um einen ganzen Kopf überragt.

          Doch noch mehr liegt es an ihr selbst. Sie will nicht groß auffallen - höchstens durch ihre Argumente. Aus auffälliger Kleidung macht sie sich nichts. Meist taucht sie einfach ganz in Schwarz auf, nur mit einer Halskette als Schmuck und ihren silbergrauen Haaren. Und das ist noch ein Zugeständnis an ihren heutigen Beruf: Früher, als sie noch Ökonomie-Professorin in Berkeley war, war sie bekannt dafür, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann, der dort ebenfalls lehrte, in einem eigenwillig-praktischen Partnerlook herumlief: Khakihose, Poloshirt, dazu Joggingschuhe.

          „Sie hat sehr wenige Feinde“

          Macht mit Kleidung auszudrücken ist Yellen offensichtlich ebenso fremd wie steile Thesen oder Cocktailpartys. Lieber kocht sie daheim für ihre Freunde phantastische Lammkoteletts - wenn sie dazu noch kommt. „Unprätentiös“ nennt sie ein europäischer Notenbanker, „sehr akademisch“ ein anderer. Das Wort, das Andrew Rose - Ökonomie-Professor und Freund von Janet Yellen seit 1986 - als Erstes einfällt, lautet hingegen: scheu. Und dann folgt gleich das zweite, das wirklich alle über Yellen sagen: „Sie hat sehr wenige Feinde.“ Das stimmt. Selbst Notenbanker, die eine völlig andere Meinung zur Geldpolitik haben als sie - und sie hat eine sehr klare Meinung - können nicht umhin, sie liebenswürdig zu nennen.

          Damit ist sie vom Charakter her das Gegenteil von dem Mann, der bis vor einiger Zeit ihr schärfster Konkurrent für den Fed-Posten war: Larry Summers. Er ist nicht nur weit bekannter und reicher als Yellen. Er ist auch groß, polternd, direkt, hat eine scharfe Zunge und sofort eine klare Meinung zu beinahe allem. Mit dieser temperamentvollen Art hat er sich in diversen Skandalen verheddert: etwa als er einst in einer Rede darauf hinwies, dass die Intelligenz bei Frauen gleichmäßiger auf die Mitte verteilt ist als bei Männern, es also weniger hochintelligente (aber auch weniger sehr dumme) Frauen als Männer gibt. Das sei ein Grund dafür, dass es so wenige Frauen in Spitzenposten in Naturwissenschaft und Technik gebe.

          Das kam nicht gut an und kostete ihn sein Amt als Harvard-Präsident. Oft zitiert wird auch sein Kommentar zu einer Rede des Ökonomen Raghuram Rajan, in der dieser im Jahr 2005 darauf hinwies, dass die Finanzstabilität viel geringer sei, als viele dachten. „Technikfeindlich“ nannte Summers den Vortrag - und verriss ihn. Ein Fehlurteil, wie sich in der Finanzkrise herausstellte.

          Brillante Ökonomin

          Diese Vorfälle sind ein Grund dafür, dass viele Demokraten im amerikanischen Senat Heißsporn Summers als Notenbankchef ablehnen und er seine Kandidatur schließlich zurückzog. Arrogant und überheblich - das sind die Hauptkritikpunkte an Summers. Und eins ist klar: Das beides ist Yellen ganz sicher nicht.

          Das persönliche Gegenteil von Larry Summers zu sein, reicht aber natürlich auch nicht. Schließlich ist Nettigkeit keine Schlüsselqualifikation für einen guten Notenbanker. Zurückhaltung und ein kontrolliertes Wesen schon eher. Der wichtigste Pluspunkt allerdings, den Yellen hat, ist ihr Lebenslauf. Es gibt wohl niemanden, der auf dem Papier qualifizierter ist als sie für den Posten des Fed-Chefs.

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