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Jahresbilanz : Weniger Organspenden nach Transplantations-Skandal

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist dramatisch gesunken Bild: dpa

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit 1997 gesunken. Nur noch 876 Spender hat die Stiftung Organtransplantation gezählt.

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          Die Zahl der Organspender in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Tiefpunkt erreicht. Mit noch 876 Spendern sank sie auf den niedrigsten Wert seit Verabschiedung des Transplantationsgesetzes im Jahr 1997, wie aus vorläufigen Jahreszahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervorgeht, die der F.A.Z. vorliegen. Im Vorjahr hatte sie noch 1046 Spender registriert. Demgegenüber stehen 11.000 Patienten, die dringend auf ein Spenderorgan warten, sei es Niere, Leber, Lunge oder Herz. Die DSO spricht von einer „erschütternden Jahresbilanz“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Nach ihren Angaben lag die Zahl der Organspender 2013 um ein Sechstel unter der rückläufigen Zahl des Vorjahres. Die Menge der gespendeten Organe sank aufgrund von Mehrfachspenden um knapp 14 Prozent auf 3034. „Nach dem starken Rückgang der Organspenden im Jahre 2012 hat sich diese dramatische Entwicklung 2013 noch weiter verschärft“, sagte der Vorsitzende der Stiftung, Rainer Hess, dieser Zeitung. Die DSO betrachte „diese Entwicklung mit großer Sorge“. Man werde einen „langen Atem brauchen, um wieder Vertrauen aufbauen zu können“. Im Jahresverlauf und nach Regionen habe sich die Entwicklung unterschiedlich vollzogen: So seien im August und November statt der sonst im Durchschnitt 100 Spender weniger als 60 registriert worden. Besonders stark sei der Einbruch in Bayern ausgefallen, wo die Zahl der Organspender um beinahe ein Viertel gesunken sei. Dort und in Baden-Württemberg kam statistisch gesehen nicht einmal mehr ein Spender auf 100.000 Einwohner; das sind bundesweit die niedrigsten Werte.

          Gegenmittel: Aufklärung und Transparenz

          Ein Grund für die mangelnde Bereitschaft zur Organspende seien die im Jahr 2012 und danach bekannt gewordenen Manipulationen bei Organtransplantationen in Universitätskliniken, sagte Hess. Auch seien Ärzte und Krankenhäuser verunsichert, nach welchen Kriterien sie Patienten noch auf Wartelisten für ein Spenderorgan setzen dürften. Verbesserungsmöglichkeiten gebe es nicht zuletzt bei den Massenanschreiben einiger Krankenkassen. Voriges Jahr hatten die Kassen ihren Versicherten Informationsmaterial und einen Organspendeausweis zugeschickt mit der Aufforderung, sich für oder gegen die Spende zu entscheiden.

          Hess forderte eine kontinuierliche Aufklärung und Transparenz, um dem Rückgang der Spendermeldungen entgegenzuwirken. Im übrigen versicherte er: „Kein Patient muss in Deutschland befürchten, wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden.“ Der Rückgang der Spendenbereitschaft verschärfe den Mangel an Spenderorganen. Es könne noch weniger Schwerkranken mit einer Transplantation geholfen werden.

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