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Jahresbilanz : Krankenkassen leben von der Substanz

  • -Aktualisiert am

Die angespannte Finanzlage macht Zusatzbeiträge wahrscheinlicher Bild: dpa

Um Zusatzbeiträge zu verhindern, lebten 2010 viele Krankenkassen von der Substanz. Ihre Finanzlage macht es wahrscheinlich, dass sie bei konstanten Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht mit dem Geld auskommen.

          Viele gesetzliche Krankenkassen haben 2010 von der Substanz gelebt, um Zusatzbeiträge zu verhindern. Auch in großen Kassen gilt die Finanzlage als angespannt. Ersatzkassen verhandeln mit der Gewerkschaft Verdi über einen Notlagentarifvertrag. Hatten die Krankenkassen 2009 noch einen Überschuss von 1,1 Milliarden Euro verbucht, so ist dieser 2010 weitgehend weggeschmolzen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das geht aus den von dieser Zeitung erfragten Daten der Jahresabschlüsse 2010 hervor, die die Verbände der Krankenkassen derzeit zusammentragen. Die Ersatzkassen melden zwar nach eigenen Angaben noch einen Überschuss von 212 Millionen Euro. Der wird aber in einer Gesamtbetrachtung des Kassensystems durch Defizite der Betriebskrankenkassen (103 Millionen Euro), Innungskassen (70 Millionen Euro) und Knappschaft (17 Millionen Euro) weitgehend aufgezehrt. Von den Allgemeinen Ortskrankenkassen, die mit 24 Millionen Versicherten hinter den Ersatzkassen die zweitgrößte Gruppe sind, verlautete, man erwarte einen Abschluss „um die Nulllinie“.

          Von hohen Mitgliederabwanderungen betroffen

          Die angespannte Finanzlage macht es wahrscheinlicher, dass mehr Kassen bei konstanten Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht mit dem Geld auskommen und Zusatzbeiträge erheben. Das belebt Fusionsverhandlungen wie unter den Innungskassen. Derzeit sind 14 Betriebs- und zwei Ersatzkassen auf Zusatzbeiträge angewiesen. Die Beiträge gelten damit für rund 5,5 Mitglieder - das sind mehr als 10 Prozent aller Kassenmitglieder.

          In Einzelfällen wie der City BKK und der BKK Hösch beträgt er seit Jahresbeginn sogar 15 Euro im Monat oder 180 Euro im Jahr. Kassen, die einen Zusatzbeitrag erheben, sind von überdurchschnittlich hohen Mitgliederabwanderungen betroffen, was die Finanzlage im Einzelfall weiter erschweren kann.

          Überschuss dank Zusatzbeitrag

          Wie angespannt die Lage ist, zeigen Daten aus dem Ersatzkassenverband. Dort weist die Techniker Krankenkasse einen Überschuss von gut einer halben Milliarde Euro (und ein doppelt so großes Vermögen) aus; auch kleinere Kassen wie die HEK und HKK sind deutlich im Plus - auch mit Blick auf ihre Reserven. Die KKH-Allianz hat aber nur wegen des Zusatzbeitrags einen kleinen Überschuss erwirtschaftet.

          Marktführer Barmer/GEK, der von seinen 4,3 Millionen Mitgliedern keinen Zusatzbeitrag verlangt, nennt einen Fehlbetrag von 298 Millionen Euro und hat damit sein Vermögen auf 308 Millionen Euro annähernd halbiert. Die DAK liegt trotz Zusatzbeitrags von 8 Euro im Monat mit 79 Millionen Euro im Defizit. Nach Daten des Ersatzkassenverbands decken die Reserven von DAK und KKH-Allianz noch die Ausgaben eines Tages. Schon werde mit Verdi über einen Notlagentarifvertrag verhandelt. Der soll es klammen Ersatzkassen ermöglichen, die Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden ohne Gehaltsausgleich um bis zu fünf Stunden zu senken.

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