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Ja : Politik für Kinder

Kinder brauchen Zeit. Endlich kommt die Familienpolitik mal ihnen zugute.

          2 Min.

          Endlich! Endlich macht mal jemand Familienpolitik, die vor allem den Kindern zugute kommt. Deutschlands Diskussion war in den vergangenen Jahren oft kinderfeindlich und karrierefreundlich bis zum Befremden. Kinder galten als Aufstiegshindernis – wenn also überhaupt einer Kinder bekam, dann ab mit dem Nachwuchs in die Kita, möglichst schnell, möglichst lang und am besten gleich noch über Nacht! So sollte es weitergehen: ab in die Ganztagsschule, am besten bis nach Arbeitsschluss in den Büros. Und nach dem Ende der Schulzeit Vollzeit in den Beruf. Wer diese Perspektive hat, dem bleibt meistens gar kein Bedürfnis mehr, eine Familie zu gründen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn Eltern aber lieber für ihre eigenen Kinder sorgen wollten, wurden sie in den Medien regelrecht gedisst. Für den Verzicht auf die Karriere mussten sie sich entschuldigen. Wer sein Leben so plante, wurde als vorgestrig, reaktionär und bisweilen gar als dumm dargestellt. „Herdprämie“ hieß es despektierlich, wenn Vollzeit-Eltern Geld bekommen sollten. Die Zuwendung zu Kindern wurde lächerlich gemacht – wer will da noch welche haben?

          Dabei ist das Opfer groß, denkt man allein nur an niedrigere Renten und private Vorsorgemöglichkeiten. Obendrein lässt sich auf Partys eher mit Karriereerfolgen glänzen. Wer sich darüber freut, dass das Kind zum ersten Mal eine Treppenstufe selbst erklommen hat, bewirkt beim klassischen „DINK“ (Double-income-no-kid) bestenfalls ein tolerantes, aber weitgehend verständnisloses Lächeln. Ein Werbespot, in dem sich eine Hausfrau und Mutter als „Managerin eines erfolgreichen kleinen Familienunternehmens“ vorstellte, sprach Bände.

          Kinderbetreuung erinnert an frühere Jahrhunderte

          Das alles erinnert an die großbürgerlichen Familien früherer Jahrhunderte. Hier präsentierten die Gouvernanten und Ammen den Eltern am Sonntag die Kinder frisch gewaschen und im besten Ornat. Dann wussten die Eltern wenigstens, wie ihre Sprößlinge aussahen, bevor sie im Internat verschwanden. Bestenfalls hatten die Kinder dann eine stabile Beziehung zur Kinderfrau, die Eltern waren fremd, manchmal bedrohlich. Dabei waren die Kinder damals noch im Vorteil. Sie hatten wenigstens die Chance auf eine eindeutige Bezugsperson. Die abgeschobenen Kinder von heute müssen sich mit einer Vielzahl von Erzieherinnen und Lehrerinnen herumschlagen. Das sind heute fast nur noch Frauen - für Jungen ist das ein riesiges Problem.

          Mit ihrer 32-Stunden-Woche setzt Manuela Schwesig den Kurs fort, der mit der Einführung des Elterngeldes eingeschlagen wurde. Diese Politik sorgt dafür, dass das Miteinander von Eltern und Kindern von deren Einkommenslage wenigstens ein Stück weit entkoppelt wird. Das hilft, die Betreuungsbedürfnisse von Kleinkindern, die Kommunikationsbedürfnisse von Müttern und die Beziehungswünsche von Vätern zu ihren Kindern wirklich stärker miteinander in Einklang bringen. Und wenn es Familien besser geht, dann gibt es auch eine Chance auf neue Kinder.

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